German Wunderkind strikes again- Get Well Soon begeistert erneut
“Rest Now Weary Head You Will Get Well Soon” zählt zu den absoluten Ausnahmedebüts der letzten Jahre und machte die gleichnamige Band von Mastermind Konstantin Gropper schlagartig nicht nur national bekannt, sondern erntete zu Recht auch international bergeweise Lorbeeren.
Kein Wunder, dass Fans wie Kritiker mit größter Spannung die Veröffentlichung des Nachfolgers “Vexations” am 22. Januar erwarten, weil man das zweite Werk eines Musikers oft am ersten misst und diesbezüglich als jenes einschätzt, das die Nachhaltigkeit von Kunst und Klasse nachweist oder auch nicht.
Machen wir es kurz. Das neue Album von Get Well Soon springt mühelos über die hohe Messlatte, die der Spiritus rector mit dem Erstling selbst gelegt hatte und die von der Fachpresse aus lauter Verzückung noch ein wenig höher gelegt wurde.
Konstantin Gropper hat sich angesichts der Erwartungen nicht beirren lassen und hat getan, was er tun musste. Er hat einfach wieder ein fabelhaftes Album aus seinen Anzugärmeln geschüttelt. Ja, diese fast One Man Show hat nicht nur viel musikalisches Gefühl, sondern auch Stil – fast aristokratischen sogar.
Dieser junge Mann ist ein echter Glücksfall für die deutsche Musikszene und der von ihm gewählte Bandname ist ein Versprechen, das aufs Neue eingelöst wird. Denn wohl fühlt man sich in jeder Note, jeder Pose, die dieses erneut wunderbare Album einnimmt. Nicht das geringste Anzeichen also für irgendwelche Ärgernisse, wie sie der Albumtitel antextet.
Nein, es sind positive Überwältigungen, die einem da entgegen klingen. Reich an Ideen und Instrumentarium, beseelt, beherzt und – obgleich auf hohem rationalen wie emotionalen Intelligenzniveau – nicht im Mindesten verkopft.
Das ist eine der besonderen Fähigkeiten von Gropper, sich seiner Intellektualität bewusst zu sein und sie – wie so viele – nicht proletenhaft um der Bewunderung willen raushängen zu lassen.
Hat er nicht nötig, Selbstbewusstsein und Rückgrat sind stark genug, um schlicht mit dem Können zu beeindrucken. Das ist wahrer Stoizismus, den Gropper sich übrigens als zentrales Thema für dieses Werk gewählt hat
Und das ist markant und prägnant. Ein Album, das bereits im Titel Eric Satie zitiert und dann thematisch den Bogen von Seneca über das römische Reich bis hin zu Werner Herzog schlägt, kann nur von jemandem bewältigt werden, der im großen Ganzen denkt und dabei jedes Detail als wichtigen Beitrag bewertet.
Und wer dann auch noch die Chuzpe besitzt, aus dem Vollen von Streicherquartett und Bläsersätzen zu schöpfen und sich dabei nicht in Effekthascherei zu erschöpfen, sondern in der Bescheidenheit übt, jedem Song gerecht zu werden, der nötigt mir höchsten Respekt ab.
Das muss erst mal einer hinbekommen, in aller Opulenz zu schwelgen ohne auch nur den Anflug von Dekadenz zu verbreiten. Groppers mitunter üppig ausstaffierte Musik hat zwar etwas von Pomp and Circumstance, bleibt aber dabei stets auf dem wohl gewebten Teppich der Realitäten. Geerdete Hymnen eines bodenständigen Eklektikers.
Keine Eitelkeiten oder Selbstdarstellung, lediglich Liebe und Begeisterung für die Möglichkeiten von Musik sind hier zu hören. Der Edward Elgar (und auch Eric Satie) unter den deutschen Popkünstlern, der über 14 erstklassige Songs lang beweist, dass der banale Begriff Pop durchaus mit dem elitären Begriff Kunst kompatibel ist und das Zeug zum Klassiker hat.
Das Erstaunlichste und auch beim bereits zweiten großen Wurf Verblüffende und Beeindruckende ist die Leichtigkeit und Gelassenheit, die Souveränität und Reife, mit der Gropper komponiert, musiziert und dabei eigenständige, eigenwillige und höchst eingängige Harmonien und Melodien schafft. Gepriesen sei dieses Talent, das seinesgleichen sucht.
Die musische Mischung aus elegisch-poetischer Schöngeistigkeit und eleganter Lässigkeit bekommt bei dieser Art von Pop sonst nur noch der große Neil Hannon alias The Divine Comedy hin, der von mir und anderen nicht minder als anspruchsvoller intellektueller Musiker mit beinahe lausbubenhafter Freude am eigenen niveauvollen Tun geschätzt wird.
Dass “Konstantin der Große” sich nur allzu gerne in der Umgebung von Büchern ablichten lässt, kann nicht sonderlich überraschen. Ein belesener Mensch wäre auf einem Bärenfell vor dem Kamin auch völlig fehl am Platze.
Glückwunsch auch an die Entdecker und Förderer des Künstlers, das Berliner Label City Slang, das hier mal wieder nachhaltig seinen untrüglichen Instinkt für konsens- und zukunftsfähige Musik beweist, die den Spagat zwischen Indie und Mainstream mühelos beherrscht.
“Vexations” von Get Well Soon ist neben dem bereits jüngst an dieser Stelle gefeierten Meisterwerk “End Times” von den Eels, hinter denen sich ja auch ein einzelner genialer Musiker namens Mark Oliver Everett aka E verbirgt, bereits der zweite ganz große Wurf in 2010.
So darf das junge Jahr gerne weitergehen.
Jetzt aber erst mal “Vexations” anhören und kaufen. Unbedingt!
www.myspace.com/youwillgetwellsoon
Seelenverwandtschaften: The Divine Comedy, Beirut, Devotchka


Yesterday, das sind schon 11 Jahre
Danke Dieter
Reiseskizzen










