Musik - 27.12.09 -

Letztes Lebenszeichen Litanei – Abschied von Vic Chesnutt

Vic Chesnutt ist tot. Wie sein Plattenlabel Constellation Records heute bestätigte, ist der amerikanische Songwriter und Sänger am 1. Weihnachtstag den Folgen eines Suizidversuchs erlegen. Der Musiker, der nach einem Medikamenten-Mix ins Koma gefallen war, verstarb in Athens, Georgia Im Kreise von Familie und Freunden, heißt es.

Mit Vic Chesnutt verliert die amerikanische Songkultur einen hoch geschätzten musician´s musician, der unter anderem von seinem Förderer, dem R.E.M. Sänger Michael Stipe verehrt wurde.

In seinem über ein Dutzend Platten umfassenden Werk orientierte Chesnutt sich an Vorbildern wie Bob Dylan und Neil Young, schuf dabei aber eine sehr eigenständige Form von Songs, die sich im Spannungsfeld zwischen harmonischer Sanftmut und aggressivem Zorn bewegten.

Sein subtiles, oft autobiografisches Songwriting ist durchgehend geprägt durch einen schmerzlichen, deprimiert klingenden Ton, dem Chesnutt eine ironische bis zynische, beinahe wie Galgenhumor anmutende Lyrik entgegensetzte.

Was nicht verwundert, da er mit seinem wehmütigen Alternative Folkrock gegen die bittere Tatsache ansang, dass ihn im Alter von 19 Jahren ein Autounfall im trunkenen Zustand in den Rollstuhl beförderte.

Das in der Folge von Depressionen begleitete Leben des körperabwärts gelähmten Musikers erinnert mich auch an das Schicksal des in seinen Songs seelenverwandt wirkenden Songwriter-Kollegen Elliott Smith, der 2003 ebenfalls freiwillig aus dem Leben schied. Smith Lieder sind von ähnlicher Tiefe und Traurigkeit.

Mit “At The Cut” lieferte Chesnutt im Spätsommer 2009 noch einmal ein anrührendes, melancholisches Album voller schwermütiger Lieder ab, in denen schon eine Andeutung von Abschied mitschwingt. Und gerade erst im vergangenen November erschien mit “Skitter On Take-Off, einem kargen, aufs Wesentliche reduzierte Album der bewegende Schwanengesang des Musikers.

1995 hatte der Songpoet mit gleichnamigem Album die Frage gestellt “Is The Actor Happy?” Der Musiker Chesnutt war es gelegentlich sicher, der Mensch wohl leider nicht.

Vic Chesnutt wurde leider nur 45 Jahre alt.

www.myspace.com/vicchesnutt



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