Stimme und Stimmungen mit Wirkung: Asaf Avidan & The Mojos
Das Schöne an der Musik ist immer wieder auch, dass man glaubt, eigentlich schon alles gehört zu haben und dann doch von Zeit zu Zeit mächtig überrascht zu werden.

Asaf Avidan & The Mojos auf Deutschlandtour
Ein solches Erweckungserlebnis bescheren dem geneigten Hörer Asaf Avidan & The Mojos, die eine der großen positiven Überraschungen beim diesjährigen Haldern Pop Festival waren.
Das Mitte Januar in Deutschland erscheinende Album The Reckoning ist, soweit die Hörproben vermuten lassen, eine gekonnte, abwechslungsreiche Mischung aus Folk, Rock und Blues, die Indie genug ist, um auch junge wilde Skeptiker in Spannung zu versetzen.
Es ist vor allem die Stimme des Israeli Asaf Avidan, die den Unterschied zum Gewöhnlichen macht. Diese sonderbare Stimme ist wahrlich unerhört. Sie klingt als hätte man die jungen Dylan, Joplin und Plant durch einen Donald Duck-Filter und anschließend durch einen James Blunt-Beschleuniger geschickt.
Das Ergebnis ist – entgegen aller jetzt zu erwartenden Befürchtungen – nicht etwa lächerlich, sondern im besten Sinne merkwürdig, in einigen Momenten regelrecht faszinierend wie im auf den Albumtitel bezogenen “Reckoning Song.”
Anthony Hegarty oder Scott Matthew kommen einem unwillkürlich in den Sinn, wenn man überlegt, wann einen zuletzt eine Stimme im Pop so in Vibration versetzt hat. Aber die von Asaf Avidan ist so eigenartig und ungewöhnlich, weil auch gewöhnungsbedürftig, zugleich schnell vereinnahmend, dass ich weit zurückblicken muss, bis mir eine vergleichbare Referenzgröße einfällt.
Zuletzt war es Paul Roland, der große britische Grotesken- und Moritaten-Erzähler, dessen sympathische Exzentrik eine der wenigen echten Nischenkulturen des Pop darstellt, der mich mit seiner Stimme spontan so überrascht, weil kalt erwischt hat.
Abgesehen von eigenen Einschätzungen dürfte das sicherste Qualitätsmerkmal dieser Newcomer sein, dass der große Morrissey sich aus Überzeugung für Asaf Avidan & The Mojos als Guest Act für seine 2009er-Tour entschied. Dieser Ritterschlag spricht Bände.
Übrigens sollte man im Zusammenhang dieser musikalischen Entdeckung generell sein Ohr etwas weiter für die interessanteste Generation von israelischen Musikern öffnen seit den großen Zeiten von Esther und Abi Ofarim.
Seien es der mittlerweile durchaus schon etablierte Pop von Aviv Geffen oder die leider noch fast unbekannten und weit unterschätzten Songwriter-Qualitäten eines Oren Lavie, dessen fabelhaftes Debütalbum “The Opposite Side Of The Sea” ich nur nachdrücklich empfehlen kann.
Und Asaf Avidan könnte zur Speerspitze dieser – Gott sei Dank – sehr friedvollen Israel-Offensive werden. Eine ausführliche CD-Besprechung folgt in Kürze hier auf zoolamar. Vormerken sollte man sich schon mal die Konzerttermine des Kollektivs aus Jerusalem:
21.1. Berlin, Franz-Club
24.1. Leipzig, Moritzbastei
25.1. Hamburg, Knust
28.1. Bielefeld, Forum
01.2. Freiburg, Jazzhaus
02.2. Frankfurt, Nachtleben
04.2. Tübingen, Sudhaus
05.2. München, Ampere
22.2. Köln, Gloria


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