Musik - 06.12.09 -

Feine Farben zum Fest – Die Eberhard Weber Retrospektive

Was schenkt man einem bekennenden Jazz-Liebhaber zu Weihnachten, der sich die “Christmas Carols” von Carla Bley schon selbst besorgt hat? Am Besten das Box-Set-Paket mit den gesammelten Werken des Ausnahmebassisten Eberhard Weber, einem der wichtigsten deutschen Jazzmusiker, das rechtzeitig vor seinem 70. Geburtstag am 22. Januar 2010 den Weg auf die Gabentische findet.

Die von ECM aufgelegte dreiteilige Retrospektive bringt Weber-Fans wie Jazz-Neulingen das fabelhafte Oeuvre des Musikers mit seiner Formation Colours näher, einem von ihm selbst inszenierten Projekt neben vielen Kollaborationen mit der Creme des modernen Jazz von Pat Metheny bis Jan Garbarek, in dessen fabelhafter Group er über die letzten Jahre zusammen mit dem Pianisten Rainer Brüninghaus und der Percussionistin Marilyn Mazur im Studio wie live Akzente zu setzen verstand.

Dem aus Stuttgart stammenden Weber, der sich zunehmend von den Folgen eines 2007 erlittenen Schlaganfalls erholt, wurde vergangenen Monat die verdiente Ehre zuteil, mit dem Deutschen Jazzpreis für sein Lebenswerk ausgezeichnet zu werden.

Der Preis trägt übrigens den Namen von Webers Weggefährten Albert Mangelsdorff, mit dem der Bassist des öfteren zusammenspielte, u.a. in der großartigen Besetzung des namhaften United Jazz Ensemble, das zu den größten All Star Bands des modernen Jazz zählt, in deren wechselndes Line-up sich auch weithin bekannte und geschätzte Koryphäen wie Barbara ThompsonCharlie Mariano, Wolfgang Dauner, Volker Kriegel und Colosseum-Mastermind Jon Hiseman einreihten.

Erstmals von sich reden machte der stille Schwabe 1972 mit einem selbst gebauten elektro-akustischen Kontrabass, mit dem er die klanglichen Facetten und Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments in eine neue Dimension führte. Bis heute sind die reichen, lyrischen und teilweise erstaunlichen Bass-Klangfarben das Markenzeichen von Eberhard Weber.

Größere Bekanntheit erlangte er neben seinem Solowerk “The colours of Chloë”, das er zusammen mit Brüninghaus einspielte, auch durch einen musikalischen Grenzgang, bei dem er auf dem großartigen Album “Hounds of love” der Pop-Fee Kate Bush mit seinen unnachahmlichen Basslinien den Sound dieses Genre-Highlights prägte. Zweimal hinterließ er später noch auf Bush-Alben seine Bassspuren, zuletzt auf dem grandiosen Comeback der Sängerin namens “Aerial.”

Also, Ohren auf beim Albenkauf fürs Fest. Eberhard Weber gehört unbedingt zu den Favoriten, wenn man “Farben” des Jazz verschenken möchte.



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