Gipfeltreffen der dunklen Seelen bei Danger Mouse and Sparklehorse
Ohne Zweifel ein Pop-Album ist “Dark Night Of The Soul” und zwar eines der vielseitigeren Art, nicht nur wegen der Abwechslung beim Gesang, die Danger Mouse and Sparklehorse durch eine illustre Gästeliste sichergestellt haben.
Aber es ist kein Pop-Album, das mal so einfach locker-leicht mit gewöhnlichen Melodien durch die Tür kommt, die gleich haften bleiben oder einen in den Arm nehmen und frohen Mutes stimmen. Das verbietet schon der Titel.
Unter der Pop-Oberfläche ist dieses ambitionierte Konzeptalbum mit Subtilität und vielen Facetten, Nuancen oder um im Bild zu bleiben – Schattierungen ausgestattet.
Die Eröffnung “Revenge” der Flaming Lips gibt die Grundrichtung der 13 Tracks vor, die insgesamt eher Moll ist als Dur, das nur gelegentlich durchschimmert. Eine getragene und gelungene Hymne zum Auftakt, der neugierig auf das große Ganze.
“Just War,” dargeboten von Gruff Rhys ist ein gemächlicher Folk-Pop-Song, der klingt als hätten sich The Good, The Bad and The Queen bei einem Gilbert O´ Sullivan Singalike Contest angemeldet. Was als Lob für beide gemeint ist.
Jason Lytle gibt dem Konzept durch das sphärische “Jaykub” und das elegisch dahin irrende “Everytime I´m with you” eine melancholische Pop-Farbe. Zwei zerbrechliche Song-Seifenblasen, die vorsichtig durchs Ohr schweben.
Mit seinem “Little Girl” spaziert Strokes-Sänger Julian Casablancas durch ein sauber choreografiertes Saitenspalier – ein geradliniger Song an der Schnittstelle zum Rock.
“Angel´s Harp” erweist sich als das genaue Gegenteil des Songtitels, ein hartes, schleppendes, verzerrtes Gitarrenbrett, von Elektrozirpen eskortiert, über das Ex-Pixies Frank Black gesungenes Gift und Galle ausspeit.
Für “Pain” ist unser alter Oberpunker Iggy Pop genau der richtige Mann auf der richtigen Platte. Der Schmerzgeprüfte, der mittlerweile sogar Chanson kann, lässt sein Organ hier als Fels in einer Gitarrenbrandung stehen, das sich bemüht, über seinen klapperdürren Körper hinwegzufegen.
David Lynch ist als Regisseur unbestreitbar Kult, als Sänger aber dann doch eher gewöhnungsbedürftig. Dennoch hat “Star Eyes” Charme, weil der visuelle Visionär hier wie die männliche Version von Scarlett Johansson auf “Anywhere I lay my head” wirkt.
Der “Insane Lullabye” mit James Mercer macht in der Mischung aus Glockenspiel-Kinderlied und Radiohead Frequenzen-Gefrickel seinem Titel alle Ehre. Ein wenig verrückt, aber lieb.
Bei “Daddy´s gone” süßeln sich Mark Linkous und Nina Persson samt Streichern wie einstens John Lennon und Yoko Ono durch so manches Solowerk des Beatles. Zwar durchaus sympathisch, aber gewiss nicht so nachhaltig wie Johns Meilensteine.
Von Suzanne Vega zu hören, ist immer eine Freude. Auch in diesem Fall. Auf “The Man Who Played God” mit seinem angeschrägten, Elektronik-Folk-Sound wirkt Vega irgendwie fremd, aber doch sehr passend. Interessant, sie in einem Song zu hören, den sie für sich selbst so wahrscheinlich nicht geschrieben hätte.
Vic Chesnutt spukt mit der ihm eigenen Schwermut durch “Grim Augury” und macht diesen kargen, düsteren Song damit zu einem der Höhepunkte des Albums. Zumindest assoziiert man hier eindeutig das Thema “Dark Night Of The Soul.” Klingt, als würde Jack the Ripper durch Londons Nebelnächste streifen und um Vergebung singen für seine blutrünstigen Taten.
Und er reicht den Staffelstab dann noch einmal stilsicher an David Lynch weiter, der beim Titelsong mit seiner mystisch-morbiden Tonalität deutlich besser aufgehoben und höchstpersönlich den Schlussstrich unter ein Album zieht, dessen Rechnung aufgeht.
Danger Mouse and Sparklehorse versammeln gekonnt die vielen Stimmen einer dunklen Seele, die zwischen euphorisch und deprimiert durch dieses Album irrlichtert, das man mehrmals hören muss bevor es sich in seiner inneren Dichte erschließt.
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