Musik - 30.11.09 - Tom

Ja Ja Ja Elyjah – Berliner Gitarrentreffer

Albumcover Elyah

Wieder so ein Lichtblick aus deutschen Landen, auch wenn Elyjah in ihrem aktuellen Video zu Wired Song so einige Glühbirnen zerplatzen lassen. Der passende Clip zum Albumdebüt Planet, Planet, dass die Berliner Band über ihr eigenes Label Klimbim Records mit der Unterstützung von Cargo vertreibt.

Das Trio Robert Oeser (Gitarre, Gesang), Martin Helms (Bass) und Bernd Große Lordemann (Drums) plus Gastgitarrist Mathias Dabrowski gibt mir mal wieder Gelegenheit, das immer gern genommene, weil so zutreffende Lou Reed-Zitat anzubringen: Nothing can beat two guitars, bass, drums.

Wired Song – Video official

Sympathischer und vielschichtiger Indie- bis Progrock, der eine Menge Qualitäten in die Waagschale wirft, die das Gewichtspendel eindeutig zum Positiven hin ausschlagen lassen.

Angefangen beim kurzen instrumentalen Intro, das mit feierlichem Grand Piano und ersten feinen Gitarrenverzierungen sehr einladend wirkt und im Folgenden dann alle Versprechen einlöst, die sich aus diesem Auftakt ableiten.

Der besagte “Wired song” setzt sich mit seinem kristallklaren Gitarrentwang, dem groovenden Rhythmus samt Tempowechsel und seiner Dichte unmittelbar im Gedächtnis fest und will dort bleiben. Ein erstklassiger Rocksong, der gekonnt zwischen Oldscool und Indie-Frische schwebt.

Das progressiv rockende “Casino”, in dem wilde Saitenhiebe mit halbakustischen Riffs um die Wette zocken, zeigt bereits das Potenzial dieser Band, die Mut zur Melodie und zur festen Songstruktur hat und dabei gleichzeitig Raum für Improvisation und Exkursion schafft. Eines der interessantesten Instrumentals in diesem Jahr.

“Eyes wide open” gönnt sich ein zirpendes Geräusch-Intro nach Radiohead-Art bevor Gitarre, Bass und Drums den siebenminütigen Song marschartig in Gang setzen und dann der Gesang aus einer darüber liegenden Sphäre auftaucht.

Oesers Stimme spaziert zunehmend selbstbewusst über die geschaffene Soundbasis hinweg, nimmt die Noise-Splitter mit auf den Weg in die nächste Ebene bevor es zum endgültigen Ausbruch kommt. Toll diese Steigerung vom Spannungsaufbau bis zum sich entladenden Höhepunkt.

Regelrecht zart dagegen bricht “Waterside” mit perlender Akustikgitarre und warmem Cello die bisher aufgebaute Spannung und lässt einen Moment der Entspannung zu.

Schon ist die Dynamik mit “Change Me” zurück, die den Song auf Schwaden von galoppierenden Gitarren vorpreschen lässt und zwischendurch mal kurz die Zügel anhält. Das erinnert mich in seiner Balance aus Aggression und Impression an die großen Momente des letzten Gravenhurst-Albums “The Western Lands” (Wann kommt von denen endlich mal wieder was Neues?)

So jetzt darf dann doch mal die eine oder andere Referenz gezogen werden, um Eindrücke zu vermitteln.

“Sorry for the scene” ist schon fast Punk mit Toten Hosen Strom und beim genauen Hinhören klingt Oeser hier wie Cure-Boss Robert Smith in seinen wilden Anfangszeiten.

Das erneute Instrumental “Morton´s Spate” eröffnen Elyjah mit schwerer und düsterer Metal-Geste, um den Song gleich in fast Pink Floyd´sche Erhabenheit zu überführen, die auch vor dem Experiment mit reichlich Wah-Wah-Verzerrung nicht zurück scheut. Am Ende trifft sich Opeth mit Porcupine Tree zum Duell in der Dämmerung an einem einsamen Bergsee.

Bei “Bathysphere” ist wieder der starke Charakter zu spüren, mit dem Elyjah ihre beiden Alter Egos zusammenführen, den harten Rocker und den zarten Träumer. Keine Gegensätze, sondern die konsequente Verbindung von Jekyll und Hyde.

Zum Abschluss gibt es mit “V´ger” dann ein regelrechtes Songmonster, in dem sich alle Talente und Interessen noch einmal zu einem zehnminütigen Instrumental versammeln und bündeln, das im melodischen Schafspelz auftritt und dann den wild gewordenen Rückkoppelungs-Wolf durchs Revier jagt.

Sich auf einem Debüt derart auszuprobieren, dabei alle seine Karten auf den Tisch zu legen und keine Furcht davor zu haben, als möglicherweise unentschlossen abgeurteilt zu werden, nötigt mir großen Respekt ab.

Das Album ziert übrigens eine Zielscheibe, die die Jungs eigenhändig zerballert haben. Das Cover Art Work symbolisiert und charakterisiert so auf angemessene Weise den Inhalt. Das Zentrum Rock und darum kreisenden stilistischen Ringe ergeben das Spektrum, das Elyjah im Visier hat. Zehn Schüsse aus der Hüfte, zehn Treffer.

Aktuell sind Elyjah auf Tour, um das Album live vorzustellen:

04.12. Berlin – Villa Friedrichshöhe (RECORD RELEASE PARTY)

14.12. Hamburg – Astra Stube

15.12. Frankfurt – Ponyhof

16.12. Leipzig – Plaque

17.12. Heidelberg – Zum Teufel

19.12. Magdeburg – Visions Party >> TICKETS



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