Kniet nieder! Tom Waits live
Seinen 60. begeht der Mann in 16 Tagen und es gibt allen Grund, sich vor ihm zu verneigen. Tom Waits ist eine absolute Ausnahmerescheinung in der Musikszene, unter den originellen Bühnenstars und Mimen, einer der letzten echten Typen der Kultur, dessen unnachahmliche Ausstrahlung allein schon jeden Oscar und Grammy wert wäre.
Jetzt setzt er sich und seinem reichen Schaffen ein weiteres Denkmal in Form eines Live-Albums, wie es nur ganz wenige gibt. “Glitter and Doom live” bietet alles, was man an Tom Waits bewundert und womit er uns nun schon über so lange Zeit begeistert: Originalität und Variabilität, Intensität und Intimität.
Mühelos wechselt er auf der Bühne die Rollen, gibt mal den räudigen Straßenköter, mal den vor Liebe trunkenen Romantiker und mal den fahrenden Bänkelsänger, mal den bizarren Storyteller. In der gesamten musikalischen Bandbreite, die dieser Sänger abdeckt von Rock, Blues und Jazz über Polka und Balladen bis hin zu seinem ausgesprochenen Faible für Vaudeville und Varieteklängen.
Seine musikalischen Begleiter sind erste Sahne, das Liedgut dieses herausragenden Songwriters sowieso und der Sound selbstredend auch.
17 Songs, selektiert aus 10 Konzertterminen in USA und Europa, allesamt Highlights, aus denen einen oder mehrere hervorzuheben schwer ist. Ich versuche es dennoch und empfehle das herrlich dreckige (Songtitel est omen!) “Dirt in the ground.”
Oder doch lieber das elektrisierende “Make it rain?” Die wundervolle Ballade “The part you throw away” vielleicht? Oder das immer wieder Herz ergreifende “I´ll shoot the moon”, bei dem Waits tatsächlich den Mond anzuheulen scheint wie ein waidwunder Wolf.
Kurzum. Auch die übrigen 13 Songs sind allererste Wahl und jedes hat die Wahl in den musikalischen Olymp verdient. Geht einfach nicht anders als durchgehend die Höchstwertung zu ziehen bei einem so fabelhaften Output auf derart Atem beraubenden Niveau.
All diese tragikomischen Geschichten und Figuren aus dem Panoptikum des Tom Waits und seinem Kuriositäten-Kosmos atmet diese unglaubliche Stimme aus, die klingt, als habe sie stumpfe Rasierklingen gefressen, überfüllte Aschenbecher voller Kippen mit fässerweise angestandenem Whisky runter gegurgelt.
Das ungeheuerliche, gespenstische Timbre von Tom Waits ist so verknittert wie das ledrig-zerfurchte Gesicht des alten Samuel Beckett, aus dessen existenzialistischen Stücken er entsprungen scheint, um wie ein Geist des absurden Seins vergebliche Spuren von Leben ins Nichts zu zeichnen.
Tom Waits beweist einmal mehr, dass er nicht nur einer der besten Entertainer und Performer aller Zeiten ist, sondern auch einer der überragenden Künstler der Gegenwart.
Fesselnd. Faszinierend. Famos.
Chapeau! Chapeau! Chapeau!
www.tomwaits.com


Ein letzter Soft-Pop-Flügelschlag
Mädchenschwarm auf hoher See
TV-Tipp










