Zehn Mal Balsam – Rickie Lee Jones mit neuem Album
Rickie Lee Jones ist neben Joni Mitchell das große Aushängeschild der US-Songpoetinnen. Beide Sängerinnen haben mit ihren Verschmelzungen von feinen Folklinien, leichten Popzutaten und verspielten Jazzstrukturen sehr eigenständige Formen des Songwritings etabliert, die zu ihrem Markenzeichen geworden sind.
Auf ihrem neuen, mittlerweile 14. Album “Balm In Gilead” knüpft Rickie Lee Jones an ihr von der Fachpresse gefeiertes Comeback “Sermon On Exposition Road” aus dem Jahr 2007 an, das als Auseinandersetzung mit Bibel und Glauben als inhaltlich sehr spirituell, musikalisch als erneut sehr individuell bewertet und als eines ihrer in jeder Hinsicht reifsten Werke gelobt wurde.
Die Künstlerin und ehemalige Lebensgefährtin von Tom Waits mit dem Hang zu etwas sperrigen, ausgefallenen Songlinien präsentiert ihren klingenden “Balsam” als ausgewogene Mischung von Liedern, die um ihren musikalischen Kosmos aus Eigensinn und Tradition kreisen.
Das Tempo dieser Kollektion von Kompositionen ist diesmal insgesamt ausgesprochen moderat und bedächtig – in der Ruhe liegt die Kraft der Songs, die sie aus ihrem musikalischen Fundus der letzten zwei Jahrzehnte ins Licht des Tonstudios geholt hat.
Unterstützt von klangvollen Namen wie Ben Harper, Jon Brion, Vic Chesnutt, Bill Frisell, Victoria Williams und Alison Krauss schmeichelt sich Rickie Lee Jones mit ihrer unverkennbaren, nach wie vor verführerischen Lolita-Stimme durch die Emotionsebenen des Albums, das in seiner Tonalität und mit den verhaltenen Rhythm ´n´ Blues Einflüssen auf “Old Enough” und dem Instrumental “The Blue Ghazel” sehr entspannt wirkt.
Sehr schön ist das nostalgische, warmherzige, von ihrem Vater für sie und ihre Geschwister geschriebene “The Moon Is Made Of Gold,” das wie ein Lullabye aus einem Schwarz-Weiß-Film daherkommt. Mit “Eucalyptus Trail” ist Rickie Lee Jones eine der lyrischsten Hymnen ihrer Karriere gelungen und “The Gospel of Carlos, Norman and Smith” klingt wie eine moderne Verneigung vor den heiligen drei Königen.
Die andächtigen Momente durchziehen auch die Tracks “His Jeweled Floor”, “Bonfires” sowie das abschließende “Bayless St.” und verstärken den harmonischen, optimistischen Gesamteindruck der Platte, deren Easy und Lazy Feeling wohltuend ist wie eben Balsam.
Sicher wird “Balm In Gilead” nicht die Verkaufszahlen des neuen Norah Jones Albums “The Fall” erreichen, aber es macht in jeder Note deutlich, wie sehr die unkonventionellen Rickie Lee Jones Vorbild für solche jungen, stromlinienförmigen Stars der Szene ist und bleibt.
www.rickieleejones.com


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