Musik - 06.11.09 -

Chapeau Yoko Ono – die Kunstoma begeistert mit Avantgarde-Pop

Yoko Ono hat immer polarisiert und an ihr haben sich stets die Geister geschieden, vor allem die vieler Beatles-Fans, die sie offen oder heimlich für die Trennung der besten Band aller Zeiten in Mitverantwortung zogen.

Unabhängig von allen Spekulationen und Denunziationen ist diese Frau nicht nur eine bedeutende Friedensaktivistin, sondern nach wie vor eine außergewöhnliche Künstlerin, die auch Lichtjahre nach der Fluxus-Bewegung noch zu beeindrucken weiß durch Ihre Wachheit und Neugierde, die selbst in fortgeschrittenem Alter bereit ist, ständig dazu zu lernen, Neues zu entdecken und sich damit neu zu erfinden.

Wie jetzt auf schillernde Weise mit ihrem neuen Album “Between my head and the sky”, das ihren Namen und den der legendären Plastic Ono Band trägt, die sie einst mit ihrem Mann John Lennon gründete, um Grenzen der Popmusik auszutesten und lustvoll zu überschreiten.

Man kann John Lennon im Nachhinein nur zu gut verstehen, dass er in Yoko Ono eine der ungewöhnlichsten und damit ungeheuer inspirierenden Musen an seine Seite wählte. Oder umgekehrt?

Sagen wir gesucht, gefunden und John Lennon hat dank Ihr auch nach der Abnabelung von den Fab Four großartige Songs geschrieben von Imagine bis Mind Games, von Woman is the nigger of the world bis Watching The Wheels und sich dabei offen gehalten für andere Einflüsse, eine Begabung, die er und Yoko Ono teilten und sie aufs Engste verband.

John Lennon sitzt sicher da oben auf seiner Wolke und freut sich ein Loch in den Bauch über das neue Album seiner Gattin, für ihre Courage und ihre Chuzpe, so ein fabelhaftes, fantasievolles Ding voller Fragmente und Experimente zu patchworken, dass es am Ende doch wie aus einem Guss klingt und einem den Mund offen stehen lässt, vor allem den viel jüngeren und dass sind wir fast alle.

Natürlich hat Yoko Ono immer noch nicht Singen gelernt, was soll´s? Ihr origineller Sprechgesang ist faszinierend genug, um durch die 15 Tracks zu führen, von denen keiner dem anderen gleicht. Eine enorme Bandbreite von Neowave über Kammerpop bis hin zur Jazzthetik.

Klingt alles in allem wie eine bizarre Mischung aus Laurie Anderson, Pizzicato Five und Lounge Lizards bei einer Jam Session mit David Bowie, Brian Eno und John Cale, also wie eine Sternstunde der Ungewöhnlichkeiten.

“Between my head and the sky” ist Avantgarde, die Spaß macht. Mal ungestüm, mal spleenig, mal wie eine Geisha auf Speed, dann wie eine Samurai des Elektro-Zen, immer etwas angeschrägt, mitunter kindlich verspielt, durchweg überraschend. Jazzy, Sexy, Funny, Funky, Catchy!

“It´s me I´m alive” spricht sie zum Schluss ironisch als müsse sie die Welt daran erinnern. Und dazu lässt sie es klappen, wohl weil sie sehr genau weiß, wie sehr das immer noch zum Handwerk gehört. Auch das eine Kunst.

Dass man mit 76 noch so progressiv kann, nötigt mir allen Respekt ab. Klasse!



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