Der König von Honolulu macht uns das ungesunde Leben schmackhaft
Voll derber, sinnlicher Lebenslust, skurrilem Humor und einer musikalisch immer wieder beeindruckenden Bandbreite präsentiert sich der höchst produktive Wenzel nach seiner wundervollen Vertonung von Christoph Heins Lyrik mit “Masken” dieses Mal als “König von Honolulu.”
Das neue Album des Bänkelsängers hält, was der Untertitel mit Schnulzen, Shantys, Schräge Schlager verspricht, Es ist ein Panoptikum von textlichen und musikalischen Ideen, die sich der Narrenfreiheit verschrieben haben und aus dem üppigen Fundus von Wenzels Trivialkunst stammen, die er auf dieser CD zum ersten Mal veröffentlicht.
In Fankreisen sind diese durchgeknallten, intuitiven Lieder allerdings bereits Kult, da Wenzel immer einige davon bei den alljährlichen Konzerten am Hafen von Kamp im Repertoire hat, wenn es darum geht, die kürzeste Nacht des Jahres zu durchtanzen.
So vermitteln die einzelnen Stücke genau die pralle Lebendigkeit, aus der heraus Wenzel sie geschrieben hat. Ob der Tanzschieber “Unterwürfiger Schlager”, das Country-Rodeo “Als wir kamen von Kentucky” oder die ausgelassene russische Folkloreweise “Sibirische Liebe”, Wenzel erweist sich wieder einmal als Tausendsassa und verwegener Haudegen des Liedermachens.
Nicht nur Ina Müller (die übrigens gerade ein Album mit plattdüttschen Liedern veröffentlicht hat) weiß dem “Arschgeweih” ein Ständchen zu singen, auch Wenzel liefert der Tätowierung ein Lied, die er sehr direkt und voller Augenzwinkern als männlichen Lustkiller beschreibt.
Herrlich die Textzeilen des Refrains: “Doch als ich sie von hinten nahm, da war´s mit mir aus und vorbei. Als griff mich ein Rivale an, es prangte groß ihr Arschgeweih: Ein Hirsch vom Zoo aus Bitterfeld hat meiner Lust den Mast gefällt. Es ist aus und vorbei wegen Deinem Arschgeweih.”
Solche drallen, prallen Schrullen finden sich zuhauf in Wenzels Sammelsurium und so hinterlassen die meisten Lieder ein breites Lächeln, wenn nicht gar ein großes Grinsen auf dem Gesicht des Hörers.
Die bereits erwähnte Sibirische Liebe, der seesüchtige Shanty “Ahoi! Ahoi!” (da kommt sicher auch bei Wenzels Heimatlabel Matrosenblau Freude auf) und das aufrichtige Liebeslied “Ohne Dich” sind meine persönlichen Favoriten eines sehr unterhaltsamen Albums, das bei aller lebensfrohen Leichtigkeit und deftigen Skurrilität auch die besinnlichen Momente nicht vergisst.
Und das mittlerweile schon legendäre “Kamper Trinklied” als schunkelnder Schlusspunkt verschafft einem dann den süffigsten Abgang, den man sich nur wünschen kann. Poetisch, philosophisch, philantropisch – absolut lebensbejahend. Darum hier der komplette Text:
Strophe 1:
Ach wie ist das Leben, ach wie ist das Leben ungesund.
Immer einen heben, immer einen heben, immer gibt´s nen Grund.
Immer sich vergeben, aus den Händen legen, immer mit dem Mund.
Gläser trinken müssen, Kuss um Kuss zu küssen auf dem Erdenrund.
Strophe 2:
Reich sind nicht die Reichen, die der Welt ausweichen. Ach, die haben´s schwer.
Können nichts verschenken, können sich nichts denken, was nicht käuflich wär.
Hier in Nacht und Freuden, wo wir uns vergeuden, ungesund,
sich ein Herz zu fassen, noch mal hoch die Tassen, immer gibt´s nen Grund.
Refrain:
Und wenn wir uns verloren gehen und wenn wir uns wieder entfernen,
dann bleibt vielleicht dies Bild bestehn, wie wir hier am Hafen stehn
unter all den Sternen hier im Abendwind. Froh, dass wir am Leben sind.
Immer wieder spricht einem Wenzel aus dem Herzen. Und dafür lieben ihn seine Anhänger, wenn es auch immer noch viel zu wenige sind.
www.wenzel-im-netz.de
www.myspace.com/matrosenblau


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