Musik - 28.10.09 -

Prozession zur Depression: Six von The Black Heart Procession

Was für ein Glück, dass The Black Heart Procession ihr neues Album nur einfach Six getauft haben und nicht gleich 666. Denn der “Umzug der schwarzen Herzen” hat schon etwas Dämonisches, das vom morbiden Cover direkt übergeht in den Sound der Band, die ein sinistres Werk vorlegt, bei dem die großen Prediger David Eugene Edwards oder Nick Cave Pate gestanden haben könnten.

Damit ist die Messlatte markiert für dieses schwerblütige Werk, das ähnlich beschwörendes Faszinationspotenzial aufweist wie die Kompositionen von Woven Hand, dem australischen Bad Seeds Oberhaupt und nicht zu vergessen den derzeit obersten Dunkelsänger Mark Lanegan, der gerade mit den Soulsavers durch unsere Konzertkirchen pilgert.

Black Heart Procession rasseln mit den Ketten in den Katakomben der Seele, bewegen sich tief in den Kellern von Schmerz und Angst und winseln in den Kapellen von Trauer und Zweifel inständig um Erlösung. Überall lauern Sünde und Sühne, der Mensch ist Spielball der bösen Mächte, der darum fleht, von den guten errettet zu werden.

So werden “Heaven und Hell” gleich mehrfach beschworen und die dunklen Pfade, auf denen die Band aus San Diego wandelt, müssen – daran führt kein Weg vorbei – mit schwarzbluesigem Folk bespielt und düsteren Moritaten besungen werden müssen.

Das führt zu einer Reihe von großartigen Songs wie etwa “Wasteland”, das sich zu trockenen Riffs, Beats und demütiger Orgel dahin schleppt wie einer, der unter einer schweren Last zur Prozession aufbricht. Erinnert ein wenig an das letzte Soulsavers Album “Broken”, das auch mit solchen zu Kreuze kriechenden Kalibern bestückt ist.

“Rats” und “Drugs” haben ebenfalls etwas von dem fesselnden Lanegan-Touch in Stimme und Stimmung. Und in “All my Steps” entwickeln The Black Heart Procession im Streicher begleiteten Rhythmus das ganze großartige Elend sogar zum großen Hymnen-Hörkino, das wie eine Verbeugung vor Black Sabbath Balladen klingt. Ja, an den guten alten Finsternisfürsten Ozzy Osbourne gemahnt der Gesang mitunter auch.

Schmerzlicher Höhepunkt des Albums ist das mit Didgeridoo, Störgeräuschen und Nerven zerrenden Gitarren ausgestattete “Suicide”, das so bedrohlich wirkt wie der Songtitel es ahnen lässt. Das ist Musik gewordene Rasierklinge, Strick, Sprung in die Tiefe.

The Black Heart Procession live

30. Nov. 2009 20:00 Knust, Hamburg, Hamburg
01. Dez. 2009 20:00 Festsaal Kreuzberg, Berlin
02. Dez. 2009 20:00 Beatpol, Dresden
03. Dez. 2009 20:00 Feierwerk, Munich
>>TOURINFOS + TICKETS

13 Mal morbide Melancholie, die sich mit “Last Chance” und einer singenden Säge in der abschließenden Piano-Ballade “Iri Sulu” aus einem Album verabschiedet, das zwar Six heißt, aber durchgehend Züge des Überthrillers Sieben trägt.

Fazit: Nur die Knochenharten schaffen es aus der Hölle in den Garten Eden. Also Willkommen in der ewigen Gebetsmühle. Rosenkränze raus, auf die Knie und um Vergebung betteln.

Der Soundtrack für reuige Sünder. Starker, aber richtig guter Songtobak! Wer an dieser Sound-Prozession gerne höchstpersönlich teilnehmen möchte, der besorgt sich am besten Tickets für die Europa-Tour der Band, die von Ende November bis vor Weihnachten auch zu einigen Gigs nach Deutschland kommen.

Hörproben und Termine gibt es bei MySpace:



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