Tatzsache
Jack Wolfskin zieht sich aus dem Abmahn-Wahn vorläufig zurück
Wie das Branchenmagazin Horizont berichtet, lässt sich Manfred Hell, Geschäftsführer von Jack Wolfskin, durch die massive Kritik an seiner Abmahnpraxis gegen Bastler und Handarbeiterinnen tatsächlich erweichen: “Der Outdoor-Ausrüster mit Sitz im hessischen Idstein kündigt in einem Statement an, gegen die zehn abgemahnten Mitglieder der Hobbyplattform Dawanda, die Produkte mit Tatzendesign verkauft hatten, keine weiteren rechtlichen Schritte zu unternehmen.”
Jack Wolfskin hatte in den letzten Tagen einen PR-Gau losgetreten (mehr zu den Hiintergründen), indem das Unternehmen ausgerechnet Hobbyhandwerker/innen, auf deren kreativen Handarbeiten eine z.B. Katzenpfote aufgestickt, genäht oder appliziert wurde, mit Anwaltsschreiben attaktiert hatte.
Darin wurde die sofortige Entfernung der angebotenen Handarbeiten sowie eine Abmahngebühr von bis zu 1.000,- Euro gefordert. Weitere gerichtliche und deutlich kostenintensivere Schritte wurden bei Nichtbeachtung angedroht.
Jetzt zieht der Wolf den Schwanz ein: Man sehe die Fälle mit dem Entfernen der betroffenen Produkte von der Internetplattform als erledigt an und erlasse den Anbietern die angedrohten Abmahngebühren. Für die Zukunft gelobt der Outdoor-Ausrüster Besserung: Man wolle bei Kleingewerblern demnächst im ersten Schritt auf anwaltliche Abmanungen verzichten und selbst mit den Betroffenen Kontakt aufnehmen. Ein Halleluja der Vernunft!
Ob der PR-Schaden damit wieder gutzumachen ist, bleibt abzuwarten. Hunderte von Jack Wolfskin Kunden haben in Foren und Kommentaren im Web bereits ihre Absicht verkündet, künftig tatzenfrei bekleidet durch die Natur streifen zu wollen. Jack Wolfkin war in der Vergangenheit bereits mehrfach wegen äußerst unsensiblen Vorgehens gegen angebliche oder tatsächliche Markenrechtsverletztungen aufgefallen.
Auch die Produktonsbedingungen von Jack Wolfskin sind verschiedentlich in die Schlagzeilen geraten. Zuletzt hatte die Christliche Initiative Romero e.V. (CIR) auf gravierende Missstände in Produktionsstätten verschiedener Outdoor-Bekleidungshersteller, darunter Jack Wolfskin, im Rahmen der Branchenmesse Tour Natur hingewiesen.
Sogar Bild berichtete im Sommer des Jahres kritisch über eine Baumassnahme des Wanderkleidungsherstellers, ausgerechnet in einem geschützen Lebensraum des weltweit bedrohten Wachtelkönigs. In einer schriftlichen Erklärung von Jack Wolfskin heißt es dazu nur: “Der Eingriff in das Vogelschutzgebiet (…) ist und bleibt bedauerlich. Die Maßnahme ist ausgiebig geprüft worden (…) und uneingeschränkt mit unserer Firmenphilosophie vereinbar.” Na dann …!



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