Berlin
Greenpeace kapert Siegessäule

Sie stoppen Walfänger auf den Weltmeeren, oder entern in Schlauchbooten die Sicherheitszone um den G8 Gipfel in Heiligendamm, sie entrollen Transparente auf Kohlekraftwerk-Kühltürmen oder am Stephansdom: Greenpeace-Aktivisten setzen in spektakulären Aktionen zum Kampf für das Klima und unsere Umwelt oft ihre Gesundheit auf’s Spiel.
Gestern war Berlin der Schauplatz für eine abenteuerliche Kletteraktion an der Siegessäule. Ein Greenpeacer heftete der Goldelse eine Sprechblase an, um damit für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Mit ihrer Aktion wollen die Aktivisten Bundeskanzlerin Angela Merkel auffordern, eine Führungsrolle bei den internationalen Klimaverhandlungen zu übernehmen und insbesondere mehr Geld für Klima- und Urwaldschutz bereitzustellen.

Auf dem Gipfel in Kopenhagen, der in rund 6 Wochen stattfinden wird, werden die Weichen für die Klimaschutzmaßnahmen der kommenden Jahre gestellt. Noch ist nicht sicher, ob die Kanzlerin im Dezember am UN-Klimagipfel in Kopenhagen persönlich teilnehmen wird.
Der Klima-Gipfel in Kopenhagen wird maßgeblich über die Zukunft der Menschheit entscheiden, doch die Kanzlerin hat offenbar jegliches Interesse am Klimaschutz verloren
, formuliert Tobias Riedl, Wald- und Klimaexperte von Greenpeace scharf. Im Vorfeld des Klima-Gipfels laufen die Verhandlungen äußerst schleppend. Einer der Streitpunkte ist die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern. Solange die Industrieländer kein Geld bereitstellen, werden sich die Entwicklungsländer nicht bewegen. Die Kanzlerin muss sich ihrer Verantwortung stellen und konkrete Finanzzusagen machen.
Deutschland ist eines der reichsten Industrieländer und gehört zu den Hauptverursachern des Klimawandels. Unter dem jahrzehntelangen CO2-Ausstoß der Industrienationen leiden heute vor allem die ärmsten Länder der Welt.
Diese Länder verfügen jedoch nicht über die notwendigen Finanzmittel, um schnell Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen und sich klimaneutral zu entwickeln. Bislang hat die EU-Kommission vorgeschlagen, 2 bis 15 Milliarden Euro für Maßnahmen gegen den Klimawandel bereitzustellen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace ist der Auffassung, das sei viel zu wenig. Sie fordert von den Industrienationen, den Entwicklungsländern jährlich 110 Milliarden Euro für den Kampf gegen den Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Für Deutschland bedeutet dies einen Anteil von sieben Milliarden Euro, das entspricht 6,3 % des Gesamthaushaltes. (Gesamtbundeshaushalt 2009: 288,4 Milliarden Euro.)
Mit dem Geld solle unter anderem ein Urwaldfonds finanziert werden. Der Schutz der Wälder spielt in den Klimaverhandlungen eine besondere Rolle. Knapp 20 Prozent der weltweiten Treibhausgase kommen aus der Zerstörung der Urwälder.
Diese Forderung erscheint jedoch utopisch angesichts leerer Kassen und einer Rekordverschuldung des Staates. Zuviel Geld musste in die Rettung maroder Banken investiert werden. Die Frage, wo Gelder nachhaltiger investiert wären darf durchaus gestellt werden. Die Antwort der Bundeskanzlerin Merkel dürfte allerdings bereits feststehen. erwarten wir also kein grünes Wunder!
Ende Oktober wollen die EU-Staatschefs eine gemeinsame Position für den Klimagipfel festlegen, zuvor gibt es Beratungen der EU Umwelt- und Finanzminster darüber. Die Weltklimakonferenz in Kopenhagen findet in 50 Tagen statt.



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