Musik - 05.10.09 -

Herbsthöhepunkte 5: Port O´Brien musizieren ein würdiges Andenken

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So euphorisch und vorwärts gewandt das Vorgänger-Album “All we could do was sing” war, so nachdenklich und doch eher in sich gekehrt ist das zweite Album von Port O´Brien geraten.

Kein Wunder, beeinflusste der tragische Unfalltod von Cambria Goodwin jüngerem Bruder verständlicherweise die Stimmungslage bei der Arbeit an Threadbare, dessen erhabene Traurigkeit dennoch nichts Morbides, sondern eher etwas Versöhnliches hat.

Es ist kein Nachteil, dass Cambria und ihrem musikalischen Partner Van Pierszalowski dieses Album zur Trauerarbeit geworden ist, denn das führt zu einer noch höheren Intimität der Songs, die einem schon auf dem Debüt so nahe kamen wie vertraute Fremde.

Warmherzige Lieder sind das, die in ihrer spröden Art etwas sehr Zerbrechliches, Verletzliches haben und somit das Grundgefühl der Vergänglichkeit sehr nachvollziehbar transportieren ohne Trübsal zu blasen.

Der Abschied ist hier auch immer Aufbruch, ein Vertrauen darauf, dass jedem Ende auch ein Anfang innewohnt. Das ist sehr tröstlich und trägt die Lieder in einer unaufdringlichen Sentimentalität und Melancholie voran und schenkt ihnen Atem, Weite und Tiefe.

Neben den erneut manchmal indianisch klingenden Gesangsharmonien ist es wie schon beim Vorgängeralbum diese Ambivalenz von Nähe und Ferne, die den besonderen Reiz der Kompositionen ausmacht.

Alles klingt bei Port O´Brien irgendwie eingängig, aber dabei geheimnisvoll, wie aus einem lange verborgenen Kulturreservat entstammend oder einem geheimen Folk-Fundus entliehen.

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Findet die erste Hälfte des Albums noch den Mut zur Lebendigkeit als trotzige Reaktion auf den Tod, macht sich der zweite Teil dann doch zunehmend die trauernde, reflektierende Geste zu eigen und schöpft die Innenwelten aus.

Der Titelsong leitet als solch emotionaler Auftakt zum zentralen Stück des Albums weiter. “Calm me down” ist ein Stück innigster Verlorenheit und Leere im Stile der traurigen Neil Young Wehklagen, die das Format Ballade auflösen in einen Akt der persönlichen Betroffenheit.

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Ein bewegender Song wie man ihn sonst eher von den hoch geschätzten Walkabouts kennt, denen solch sensiblen Seelenöffner früher öfter mal aus der Feder flossen. Eine gewisse stilistische und expressive Nähe zum kongenialen Duo Chris Eckman und Carla Torgerson ist ohnehin bei den beiden Kaliforniern vorhanden.

Dieses fragile und komplexe Werk ist sicher nichts für ungeduldige Mainstream-Ohren und entfaltet seine ganze Wärme und seinen sperrigen Charme erst, wenn man diese der Musik von Port O´Brien innewohnende merkwürdige Distanziertheit überwindet. Vielleicht ist das ein unsichtbarer Schutzschild um diese sonderbaren Klangkleinodien, die auf jeden Fall sehr hörenswert sind.

www.myspace.com/portobrien

Für einen kostenlosen Download lohnt sich der Besucher auf der Homepage portobrien.com



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