Musik - 05.10.09 -

Herbsthöhepunkte 4: Die Folkrock-Entdeckung Mumford & Sons

Die junge Londoner Indiefolkrockband Mumford & Sons hat alle Chancen, 2009 mit “Sigh no More” das Überraschungs-Debüt der Alternative Szene zu liefern wie im Vorjahr deren amerikanische Labelkollegen Fleet Foxes mit ihrem gefeierten Erstling.

Stilistisch gibt es zwischen diesen beiden Bands einiges an Parallelen, die vor allem in euphorischen Melodien mit hingebungsvollem Gesang bestehen. Auch bei Mumford & Sons sind die Einflüsse aus den Sixties und Seventies mit Anklängen an Bands wie Byrds, Crosby, Stills, Nash & Young, Beach Boys, Mamas & Papas vor allem in den Chorpassagen unüberhörbar.

Bei genauerem Hinhören durchzieht die Songs auch eine leise Verwandtschaft zu Jethro Tull in ihren folkigsten Momenten wie etwa auf “Heavy Horses” oder “Songs from the Wood”. Und nicht zuletzt ist da auch die Nähe zu musikalisch ähnlich veranlagten britischen Newcomern wie Noah and The Whale, deren Album Zoolamar ja erst kürzlich gepriesen hat.

Der Folkanteil ist bei den Briten insgesamt höher als bei den besagten Fleet Foxes, stellenweise geht es sogar in die keltische Folktradition hinein, die dann einen Hauch Chieftains-Tradition mit Waterboys-Originalität verbindet, voller Energie und Lebensfreude, aber auch mit dem bluesigen Whiskey-Hauch an Besinnlichkeit, der solche Musik immer in einer wunderbar sinnlich-emotionalen Balance hält.

“The Cave” beispielsweise ist ein Stück von hinreißendem Positivismus, wie ihn die besagten Waterboys auf ihren Meisterwerken “Room to roam” und “Fisherman´s Blues” zu verbreiten verstanden. So viel Optimismus und Helligkeit haben in diesem Jahr bisher nur Dear Reader und Portugal. The Man.

“Winter winds” haut mit seinem heiteren Banjogeschrammel und frohlockenden Bläsern in die gleiche angenehme Gefühlskerbe, lädt zum Tanz im nächsten Pub ein und klingt zugleich etwas wehmütig wie die unvermeidliche Last Order Ale.

Inbrunst kennzeichnet die Liebes-Ballade “White blank page”, die in ihrer ritterlichen Geste ein echtes braveheart ist, schon fast wie Robin Hood klingt, der Lady Marian huldigt.

“Thistle & Weeds” verdient wahrlich das Attribut hymnisch, schwingt sich der balladeske Song doch aus ruhender Kraft zu großer atmosphärischer Dichte, Weite, Tiefe auf, um dann zu seiner sanften Grundstimmung zurückzukehren.

Ab diesem letzten Drittel des Albums durchzieht wohltuend klanvolle Stille das Werk, die mit dem “Dust Bowl Dance” noch einmal lustvoll und voller Verve durchbrochen wird bevor am Ende mit “After the storm” tatsächlich so etwas wie die oft zitierte Ruhe nach dem Sturm einkehrt.

Diese Mischung aus schmissigen Kompositionen und kleinen intensiven Hymnen macht “Sigh no More” zu einem besonders liebenswerten Exemplar von Herbstalbum, weil es zugleich beschaulich und beschwingt ist, antreibt und tröstet. In der Langzeitwirkung den Fleet Foxes aus meiner Sicht sogar überlegen. Auf jeden Fall ist dieses sehr schöne und ausgewogene Album ein Anwärter für die jährliche Bestenliste.

Mumford & Sons veröffentlichen “Sigh no more” am 23. Oktober und präsentieren ihr Debüt in der Folge gleich auf deutschen Bühnen. Hier die Livedaten:

01.11. Dortmund – Domicil Club

17.11. Berlin – Magnet Club

18.11. Hamburg – Molotow

19.11. Koeln – Gebäude 9

www.myspace.com/mumfordandsons



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