Herbsthöhepunkte 1: Kuscheln mit Noah and the Whale
Schon wieder eine Neuentdeckung, die einem schnell zur Herzenssache wird. Noah and The Whale. Ein Gruppenname geradezu biblischen Ausmaßes, bei dem der geneigte Christ an die Arche von Papa Noah und das Bildnis von Jonas im Bauch des Wals zu denken pflegt – beide doch eher sympathische Helden und Protagonisten wohltuend undogmatischer Geschichten aus dem Kanon des Glaubens.
The First Days of Spring Trailer
Das nimmt einen bereits ebenso für die Londoner ein wie die Aufmunterung des Albumtitels. So mitten im unvermeidlichen Herbst mit seinen ersten richtig regentrüben grauen Tagen sehnt man ja bereits wieder The First Days of Spring herbei und ist darum bereits dankbar für diese Ermutigung, dass es ein Leben nach dem Winter gibt.
Die Musik von Noah and The Whale passt allerdings vortrefflich in die jetzige Jahreszeit, denn der Indiefolkrock der Band ist wie Herbstlaub, das in allen noch nicht verwelkten Farben von grün über gelb bis rot im späten Sonnenlicht schimmert. Abendrot inklusive.
Langsame Kamerafahrten durch fast menschenleere Landschaften, in denen die Bäume kahler und die Gesichter fahler werden. Melodien in Zeitlupe, in die selten Beschleunigung kommt und in denen samtweiche Streicher, behutsame Bläser und engelszarte Glöckchen ein warmes Zuhause am knisternden Kamin finden. Da liegt sicher auch irgendwo ein Bärenfell.
In all diesem friedvollen Klangambiente steht die feste unaufgeregte Stimme von Bandleader Charlie Fink als Fels in der Brandung und schwelgt in schönster Schwermut. Mal erinnert er an den großen Melancholiker Stuart A. Staples von den Tindersticks, dann nimmt sein Timbre zwischendurch Bill Callahan-Wehmut an und schließlich weht ein Hauch Lou Reed-Brüchigkeit über die Stimmbänder wie bei “My broken heart”, das zudem etwas vom Reed-Klassiker “Perfect Day” hat.
Angemessener können Liebespaare jedenfalls kaum in Richtung Bett gesungen werden.Licht aus, unter die Decke und die Körper aneinander reiben bis sie Funken schlagen.
Aktuell kann man das komplette Album auf der Webseite des amerikanischen Senders NPR anhören, der bei dieser Gelegenheit mal wieder lobend erwähnt sei für seinen exquisiten Musikgeschmack und die vielen Möglichkeiten, sich akustische Eindrücke von aktuellen Veröffentlichungen zu verschaffen.
Allen Musikliebhabern seien darum dringend die Podcast Downloads von NPR empfohlen, bei denen es regelmäßig echte Perlen zu entdecken gibt von kompletten Konzert-Highlights wie Tom Waits oder aktuell Swell Season (das nicht nur auf der Leinwand so perfekt harmonierende Liebespaar Markéta Irglová und Glen Hansard, das durch den Musikfilmhit “Once” tatsächlich auch privat zusammen gefunden hat) bis hin zu den wundervoll intimen kurzen Tiny Desk Concerts im Büro des Senders.
Seelenverwandtschaften von Noah and The Whale: Tindersticks, Gravenhurst, Bill Callahan, Sophia, The National, Spain, Red House Painters, Sun Kil Moon und Dakota Suite


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