Sacrificium – Cecilia Bartoli ehrt die Kastraten
Cecilia Bartoli gehört zu den verehrten, sympathischen Erscheinungen der klassischen Musikwelt, die stets auf der Suche ist nach vergessenen oder gar verschollenen Klängen, zu denen es auch erstaunliche Geschichten zu erzählen gibt. Eine Goldgräberin des Gesangs.
Zuletzt würdigte die kleine Italienerin mit der großen Stimme mit “Maria” Malibran die erste Diva der Operngeschichte und davor ließ uns die Bartoli vom Vatikan verbotene Opern des 18. Jahrhunderts wieder entdecken. Beide Alben fanden berechtigterweise großen Zuspruch, nicht nur beim Opernpublikum.
Mit ihrem neuen Album “Sacrificium”, das im Oktober veröffentlicht wird, dürfte der Koloratur-Mezzosopranistin das erneut gelingen. Weil sie wieder auf beeindruckende Weise eine musikalische Quelle auftut, über die sonst eher der Mantel des Schweigens gedeckt wird.
Die Bartoli wagt sich daran, den stimmgewaltigen Kastraten die Ehre zu erweisen. Bereits das Cover des Albums ist ein kleines Wagnis, zeigt sich die Bartoli doch hier als künstlerisch bildhauerischer Akt in der Gestalt eines geschlechtslos anmutenden Wesens. Wie eine aus Marmor geschaffene Statue verkörpert Cecilia Bartoli hier Menschen, die der Kunst zuliebe auf brutalste Weise ihrer Sexualität beraubt wurden.
Sie wolle eine extreme Darstellung verbreiten von einer weiblichen Stimme in einem männlichen Körper, nimmt die 43jährige die Huldigung an die großen Eunuchen-Stimmen ernst, zu deren wichtigsten sie selbst Caffarelli und Farinelli zählt. Letzter wurde bereits mit dem gleichnamigen, opulent ausgestatteten und berührenden Musikfilm im Bewusstsein der Musikliebhaber verankert, der höchst sehens- und hörenswert ist.
“Sacrificium” versammelt in Cecilia Bartolis Hommage ein Dutzend Kastraten-Arien eher wenig bekannter Komponisten und erinnert mit diesem traurig-schönen Werk an das tragische Schicksal vieler junger Männer. Über 4.000 Jünglinge fielen im 18. Jahrhundert jährlich dem Entmannungswahn zum Opfer, wie die Römerin im Album-Trailer zu berichten weiß.
Cecilia Bartoli beweist damit abermals, dass kulturelle Archäologie und kommerzieller Erfolg bestens miteinander vereinbar sind. Und dass dieses quirlige, ungeheuer ansteckende italienische Temperament ganz tief drinnen ein sehr feinfühliges melancholisches Wesen ist, das Musik als Brücke in die Herzen der Menschen versteht.
Große Klassik! Einsame Klasse!
Im November ist Cecilia Bartoli für einige Konzerte in Deutschland Weitere Informationen und Tickets



Feines Folkalbum
Video des Tages
Neues Album der Punk-Pop-Pioniere
















