Musik - 29.08.09 -

Das Kain und Abel-Syndrom – Endgültiges Aus für Oasis

Britpop-Abel Noel lässt Kain alias Liam endgültig allein. Auf der Website von Oasis verkündete der ältere der beiden Gallagher-Brüder den sofortigen Ausstieg aus der Band wegen unüberbrückbarer Differenzen mit dem streitbaren Bruder. Eine Konsequenz, die schon des Öfteren zu befürchten stand, nun aber wohl leider kein Gerücht mehr ist.

Zu deutlich die Worte, die Noel Gallagher an die erschütterten Oasis-Fan weltweit richtete: “Mit einiger Traurigkeit und großer Erleichterung teile ich Euch mit, dass ich Oasis heute Nacht verlasse. Die Leute werden schreiben und sagen, was sie wollen, aber ich konnte mit Liam keinen Tag länger zusammenarbeiten. Entschuldigung an alle, die Tickets für die Shows in Paris, Konstanz und Mailand gekauft haben.”

Die anstehenden Konzerte sind mit dem Rückzug des Songwriters und Gitarristen also auch bereits geplatzt. Der Schlussstrich unter eines der erfolgreichsten, aber auch ambivalentesten Kapitel der britischen Popkultur beendet damit eine musikalische Hassliebe aus kreativer Explosivität und egomanischem Konkurrenzkampf, geprägt vor allem von den provokanten und selbstdarstellerischen Eskapaden, die Sänger Liam Gallagher geradezu zu kultivieren schien.

Zuletzt mündete dieses Funken sprühende Potenzial der beiden Hauptakteure in das großartige Album “Dig out your soul”, mit dem Oasis alle Kritiker widerlegte, die Band habe ihren musikalischen Höhepunkt überschritten. Unser Ohrtrommler hatte in der Besprechung dieser CD seinerzeit sogar die fatale Hoffnung genährt, dass die Gallaghers endlich im Frieden mit sich seien und daraus die Kraft für eine überaus homogene Rockplatte gezogen hätten.

Weit gefehlt. Leider konnte die charakterliche Entwicklung der Gebrüder mit der Reife dieser Platte nicht Schritt halten und so wird das 2008er Album in die Geschichte eingehen als eines der besten Abschiedwerke der Musikgeschichte.

Äußerst schade dieser Weg einer Band, die viele als die legitimen Nachfolger der legendären Fab Four sahen und die in ihren besten Momenten tatsächlich auch den Vergleich mit den überdimensionalen Beatles rechtfertigte.

Bleibt zu hoffen, dass Noels überdurchschnittliche  Songwriting-Begabung  neue und friedvollere Kanäle findet, um sich auszudrücken und uns zu begeistern, mal ganz ohne jeden Familienzwist. Eine Reunion in ferner Zukunft wird sich niemand ernsthaft wünschen können, der die Geschichte der Band kennt.



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