Musik - 22.08.09 -

Zwei ECM Jazz-Juwelen in Sicht: Jan Garbarek und Anouar Brahem

Für die audiophilen Jazz-Gourmets mit weltmusikalischem Spektrum stehen zwei Veröffentlichungen des Münchner Edel-Labels ECM an, an denen für Liebhaber von hymnischen Harmonien kein Weg vorbei führt.

Wobei auch Nicht-Jazz-Fans an Herz gelegt sei, die Ohren weit zu öffnen für ganz besondere Schönklänge, wie sie Jan Garbarek und Anouar Brahem garantieren.

Die mystisch-melodischen Welten des Norwegers Jan Garbarek, der mit seiner hochkarätig besetzten Band das Konzert-Doppelalbum “Dresden” vorlegt, erfahren durch das traumhaft blinde Zusammenspiel der Ausnahme-Musiker und die Live-Atmosphäre eine große Tiefe und Wärme und in den ausufernden Momenten auch eine spannungsvolle Dynamik.

Der Querschnitt durch das poetisch-erhabene Werk des Saxophonisten von Weltruf, aufgezeichnet im Alten Schlachthaus von Dresden, überzeugt durch einen ungeheuer dichten, dabei schwebenden transparenten Klang, der beinahe hypnotisch sanfte Kraft ausübt.

Garbarek vertraut wie bei jeder seiner Tourneen auf Musiker, die mehr als bloße Begleiter sind – virtuose Instrumentalisten, die seine Musik völlig annehmen und mit Hingabe spielen. Ein Triumvirat auf Augenhöhe, das dem zurückhaltenden, stillen Meister auf seine magischen Klangreisen folgt.

Die aktuelle Besetzung der Jan Garbarek Group: der deutsche Pianist Rainer Brüninghaus, der brasilianische Bassist Yuri Daniel (der Garbareks Langzeitgefährten, die deutsche Jazz-Basisten Ikone Eberhard Weber, ersetzt) und der französische Schlagzeuger Manu Katché.

Akustischer Balsam für die Seele, den man sich mit “Dresden” über zwei Stunden am Stück ins Ohr tröpfeln sollte. Das Album erscheint am 4. September.

Drei Wochen später veröffentlicht ECM das neue Album des tunesischen Oud-Virtuosen Anouar Brahem (der bereits auch mit Garbarek eindrucksvoll kollaborierte) mit dem Titel “The astounding eyes of Rita,” von dem es bislang leider noch keine Hörproben gibt. Zu erwarten ist indes erneut ein traumhaftes Werk von fragilen Klang-Arabesken, wie sie für den Nordafrikaner typisch sind.

Musik, die trotz ihrer Fremdartigkeit stets sehr vertraut klingt und voll sehnsüchtigem Geheimnis ist. Die drei letzten Alben von Brahem unter eigenem Namen gehören zum sinnlichsten, was der Jazz zu bieten hat, eine ferne Welt, der man bereits mit den ersten Klängen verfällt.

Töne aus Afrika, Arabien und dem Balkan treffen sich bei Anouar Brahem, um zu einer musikalischen Welt zusammen zu wachsen, die unmittelbar Fernweh erzeugt und einlädt zum auditiven Globetrotten. Ein kosmopolitischer Flirt mit weltoffenen Hörern.

Die zarten, verwobenen Klänge seiner Oud kombiniert Brahem mal mit den melancholischen Seufzern von Akkordeon, mal mit verhaltenen Piano-Akkorden, dann wieder mit den warmen Instrumentalfarben von Klarinette oder Saxophon und stets mit wie hingehaucht wirkenden Percussion-Tupfern, die so sanft sind, dass sie fürs Gehör kaum mehr als Rhythmus wahrzunehmen sind.

Freuen wir uns also auf zwei Platten wie in Zeitlupe fallendes Laub, die uns kunstvoll auf den nahenden Herbst einstimmen.



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