Power, Poesie und Pathos: Die Entdeckung Jimmy Gnecco Juli 26
Vor zwei Wochen war der Ohrtrommler Zeuge eines großartigen Konzertabends im Düsseldorfer Savoy Theater, bei dem Greg Dulli und Mark Lanegan als Hauptact des Abends ein fabelhaftes Akustik Set spielten mit einem Repertoire von gemeinsamen Songs unter dem Bandnamen Gutter Twins und einer Auswahl von Liedern ihrer früheren Bands Afghan Whigs und The Screaming Trees sowie aus dem Solo-Werk von Lanegan.
Absoluter Höhepunkt eines an Highlights reichem Gig: Der “Resurrection song” von Lanegans famosen Soloalbum “Field songs”. Lanegan ist ohnehin derzeit der Sänger der Rockszene, der mit seinem gefühlsintensiven Whiskey-Reibeisen am nachhaltigsten zu beeindrucken weiß. Ob solo, im Duett mit Isobel Campbell oder anderen Kollaborationen.
Wer den Atem beraubend schönen Gospel “Revival” vom Soulsavers-Album “It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land” kennt, weiß, wovon ich rede. Magic!
Besondere Erwähnung verdient dieser Abend vor allem aber auch wegen des hochwertigen Vorprogramms, in dem sich zwei außergewöhnliche Songwriter ebenfalls rein akustisch vorstellten und zu begeistern wussten. Zunächst war es Duke Garwood, der mit seinem eindringlichen Gesang und außergewöhnlichen Gitarrenhandling beeindruckte.
Garwood erzeugte mit extrem verstimmten Saiten einen bizarren und dabei doch sehr melodischen Gitarrensound, wie ich ihn so noch nie gehört habe und der den melancholischen Songs des Amerikaners eine ganz eigne Aura verleiht. Nachzuhören auf seinem wunderschönen ersten Album “The sand that falls” und der EP “He was a warlock”, die beide voller musikalisch-philosophischer Pretiosen sind.
Zum Liebling des Publikums wurde aber dann als zweiter Gast der ebenfalls aus den Staaten stammende Jimmy Gnecco, den selbst Insider bisher bestenfalls als Sänger von The Ours einzuordnen wussten, wenn überhaupt. Dort prägt sein Songwriting den Sound einer leider hierzulande so gut wie unbekannten Band, die sich mit ihrem gitarrenbetonten Alternative Rock mühelos auf Augenhöhe von Independent Hypes wie Interpol und Editors befinden.
Solo aber ist Jimmy Gnecco dann wirklich eine Entdeckung, ach was, ein Geschenk. Mit unglaublicher Intensität und virtuoser Leidenschaft schaffte er es mit nur wenigen Songs die Zuhörer restlos zu begeistern. Seit dem wunderbaren Jeff Buckley (selig) habe ich keinen so hingebungsvollen Act mehr miterlebt.
Gnecco liebte sich in der halben Stunde förmlich in seine seelenvollen Lieder hinein und sang sich beinahe in Ekstase bis an die Grenze von Kitsch und Pathos, aber eben nicht darüber hinaus.
Mit seiner Art von hochgradig emotionalem Songwriting lässt sich Jimmy Gnecco zwischen Ryan Adams, Damien Rice und dem besagten Jeff Buckley einordnen. Gerade von letzterem besitzt er eine Menge, diese elegische Kraft, die Songs regelrecht zu Litaneien und Gebeten hochstilisieren kann.
15 seiner Songs, die er im Alleingang aufgenommen hat, erscheinen in Kürze auf CD beim Label Bright Antenna und wenn das Album nur halbwegs hält, was die Live-Performance von Jimmy Gnecco versprochen hat, ist Großes zu erwarten. Im Idealfall endlich jemand, der die Lücke des schmerzlich vermissten Jeff Buckley auszufüllen vermag.
Ein ausführliches Album-Review bringt Zoolamar unmittelbar nach Erscheinen des Solo-Debüts.
Näheres zu Jimmy Gnecco sowie den anderen bewundernswerten Musikern des Konzertabends und ihren Bands und in lebendiger Erinnerung an Jeff Buckley gibt es hier:
www.myspace.com/jimmygneccosolo
www.ours.net/
www.myspace.com/ours2
www.myspace.com/dukegarwood
www.myspace.com/marklanegan
www.myspace.com/theafghanwhigs
www.thetwilightsingers.com
www.myspace.com/screamingtrees
www.jeffbuckley.com
www.myspace.com/jeffbuckley

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