Donnerwetter
Dead Weather mit düster dräuendem Debüt
Hier kommt jetzt das Dunkle-Wolken-Werk, das sich zwischen die sommerlichen Luftdruckmassen schiebt und für ein angenehm erfrischendes Gehörgewitter sorgt.
The Dead Weather legen auf ihrem Debüt Horehound mit einer Energie los, dass es blitzt und donnert und die chartverstopften Ohren so richtig freipustet. Ein elektrifizierendes Album, das sich mit jedem Anhören mehr in die Synapsen schraubt.
Wenn man jetzt noch hört, dass das Line up der Band mit Alison Mosshart von The Kills am Mikro, Gitarrist Dean Fertita von den Queens of the Stone Age, Bassist Jack Lawrence von den Raconteurs und dem allgegenwärtigen Jack White alias White Stripes alias Raconteurs ein echtes Koryphäen-Quartett des Alternative Rock ergibt, ist das “Donnerwetter” gleich noch mal so groß.
“Horehound” ist ein kleines sympathisches Rockmonster, das sich mit giftigen Riffs, knochentrockenen Beats und humorlos gutem Gesang ohne Wenn und Aber in die Ohrmuscheln gniedelt, klopft und schreit. Vor allem auch dank Jack, der neben seinen begnadeten Gitarrenkünsten nun auch noch die Trommelfelle für sich entdeckt hat und unseren wippenden Füßen damit ein paar Fitnessübungen schenkt.
Die sehr straighten Klöppeleinen ballern das Pensum des Albums durch, in dem Melancholie und Melodie herrschen. Und das hat meine volle Sympathie. Wiegt einen der Einstieg von “60 Feet Tall” mit seinem verschleppten Intro noch halbwegs in Sicherheit, ist nach anderthalb Minuten Schluss mit Lustig.
Dass der übliche Verweis auf Led Zeppelin in Anwesenheit eines Jack White unumgänglich ist, versteht sich von selbst. Das Luftschiff des Rock and Roll lauert und schimmert hier wieder an allen Ecken und Kanten dieses rattig rhythmischen Teils. Wer hätte solche Reminiszenzen mehr verdient als Page, Plant, Bonham, Jones?
Sexy der Beginn, nicht weniger die Fortsetzung. “Hang you from the heavens” macht das Fass auf, in dem auch die guten Songs von den White Stripes gären. Böse Beats, rotzige Riffs, die rumquengeln und Alisons dominantes Organ, das sich in den Vordergrund schält, um vorwiegend mollhaltiges Material durch die Lippen zu pressen. Ja, der Ton ist eher düster bis morbid, aber das haben gute Gewitter ja an sich.
“I cut like a Buffalo” mit seiner schmutzigen Orgel und Jack als beinahe rappendem Backgroundsänger ist ein klingenscharfer Rocksong, der den letzten Rasierschaum von den Wangen kratzt. Superb!
Waffen tauchen übrigens überraschend reichlich auf im Umfeld dieser Platte. Denn nach dem scharfen Messer stellen Dead Weather mit “So far from your weapon” zwischen den Zeilen die Frage, ob es nicht besser wäre, geschützt durch die Nacht nach Hause zu gehen. Auch ein gutes Geschoss aus dem voll geladenen Songrevolver.
Hoffen wir nur, dass die Kids damit klar kommen. Vor allem, wenn Sie “Treat me like your mother” hören bzw. sehen. Denn im Video geht es noch rabiater zu als im Lied. Das beginnt mit einer visuellen Explosion und dann marschiert der Song auch optisch mit der Pump Gun nach vorne. Was der Klasse des schräg zirpenden Muckemonsters natürlich keinen Abbruch tut.
Auch wenn es hier dank offensichtlichen Gebrauchs von Platzpatronen keine wirkliche Gewaltverherrlichung zu begaffen gibt, ist es in diesen unseligen Amok-Zeiten dann manchmal doch ratsam, die Psyche der Kinder nicht zu überfordern.
Das “Rocking Horse” macht seinem Namen alle Ehre und trabt von einem Bassriff angetrieben gemächlich los, um sich dann unter ein paar twangenden Gitarrengerten und Jacks Drumsticks zum Galopp aufzuraffen bis der Saitenmustang mit dem Song durchgeht. Schöner kurzer Western für Großstadtcowboys.
“New Pony” ist zwar namentlich kleiner, läuft dem größeren Ross in puncto Dynamik aber glatt auf und davon. “Bone House” spuckt erst mal ein paar Knochen aus der Beat Box aus bevor sich Mosshart und Fertita bis aufs Skelett entblößen mit ihren musikalischen Leidenschaften. Spooky die Gitarrensounds und ghostly der Gesang. Wieder Treffer.
Dann fliegt mit “3 Birds” ein schräger Instrumental-Vogel durch diesen illustren Park der Rock and Roll Animals (Gruß an Lou Reed und sein Credo “You can´t beat two guitars, bass, drums”). Gefolgt von “No hassle night”, das wieder sehr nach White Stripes klingt und doch den Stempel Dead Weather verdient. Denn mit weiblichen Stimmbändern bekommen solche Zitate eine eigene Färbung.
“Will there be enough water?” schließlich ist mit akustischer Gitarre, Piano und verhalltem Gesangsduett von Alison und Jack ein schöner balladesker, an die Raconteurs erinnernder Ausstieg aus einem Album, das ein durchweg überzeugendes Debüt von No Debütanten ist. Jedenfalls die coolste Rocknummer seit Nick Cave sich alias Grinderman die Gicht aus dem strapazierten Rock and Roll Leib geprügelt hat
Und Alison singt wirklich killermäßig kühl. Um es mit einem guten alten Bowie (lange nichts gehört vom Thin White Duke – was treibt der eigentlich außer Imam malen und Geld zählen? Auf ebenso direkte und unverschämte Art zu sagen: Wam Bam Thank You Mam!!!


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