Flowerpower-Love-Peace-Ohrwurm-Jahrmarkt: Portugal. The man
In Düsseldorf ist Sommer und die schwüle, träge Luft dreht gerade wieder auf der alljährlichen größte Kirmes am Rhein in Zeitlupentempo das Riesenrad der frühkindlichen Glücks-Erinnerungen und schickt pubertierende flirtende Jugendliche auf die Achterbahn der Gefühle. Kreuz- und Querbeschallung im menschlichen Dauergewimmel inklusive.
Portugal the man
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PORTUGAL. THE MAN
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PORTUGAL. THE MAN
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Vielen Dank für die Fotos an F. Meyer! >> scherzinfarkt.net
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PORTUGAL. THE MAN
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PORTUGAL. THE MAN
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PORTUGAL. THE MAN
Wer sich dem enervierenden kakophonischen Chart-Dauergedudel zwischen Achterbahn und Wurf- und Schießbuden entziehen will, stöpselt sich am besten seinen eigenen Sommersound in die Ohren.
Und da empfiehlt der Ohrtrommler mit Nachdruck das neue Album von PORTUGAL. THE MAN, das mit “The Satanic Satanist” höchst irritierend betitelt ist, weil die lebensbejahende, aufmunternde Musik der Männer aus Alaska so gar nichts Dämonisches hat.
Im Gegenteil. Das Album ist luftig-locker-leicht wie frisch gedrehte Zuckerwatte, wenn auch weit weniger süß, also nicht kitschig. Das ist knackig wie Popcorn und verführerisch wie Paradiesapfel. Die Songs sind 11 bunte, fluffige Marshmellows, die zart auf den Gehörgängen zergehen.
Songs, die einen legendäre Titel wie “Strawberry Fields Forever”, “Lucy in the Sky with diamonds”, “”All you need is love” und “Yellow Submarine” assoziieren lassen. Wenn das jetzt als kleiner Hinweis auf die Fab Four verstanden werden sollte, liegt das ganz in der Absicht des vom bizarren Schönklang benebelten Autors.
Ja wirklich, PORTUGAL. THE MAN klingen hier wie Sergeant Pepper auf Ecstasy, der zusammen mit Tears for Fears “The seeds of love” ausstreut, um die Welt wieder etwas heiler erscheinen zu lassen. Sagen wir, wie auf dem Rummelplatz der Nachhaltigkeit.
Ein wahres Folk(s)fest der eingängigen, dabei aber nicht einfältigen Melodien. Mit Blumen im Haar und Paisleymuster auf dem Hemd kommen die Kompositionen daher voller Peace and Harmony als würde sich ein neuerlicher Summer of love ankündigen.
PORTUGAL. THE MAN haben eine echte Psychedelic-Pop-Perle geschaffen, die jeden Schiffsschaukelbremser “Hippie Yah-Yeah!” rufen lässt und ihm schillernde Tattoos auf die muskelbepackte, braungebrannte Haut zaubert. Hier herrscht Harmonie ohne billige Hau-den-Lukas-Effekte, ohne wertlose Papierrosen, ohne eine einzige Niete im Loseimer.
In jedem Song steckt so viel Flow meets Flowerpower , dass es wenig Sinn macht, die Lieder einzeln zu besprechen, da sie eh wie ein duftender Blütenreigen miteinander verbunden sind. Da greifen die Akkorde und Gesangslinien ineinander wie die Hände von Liebenden, wenn sie sich nicht mehr loslassen wollen und einander die Ewigkeit versprechen.
Und auch das Cover-Artwork ist so liebevoll verrückt, kreativ und spleenig wie es die seligen Woodstock-Zeiten waren. Es springt einen förmlich an in seiner farbenfrohen, formverliebten “Art-istik” und lässt den Schluss zu, dass Illustrator und Grafiker vom gleichen Pilz genascht oder den gleichen bunten Bonbon gelutscht haben, um in den Rausch der Gestaltung abzudriften.
Ein visuelles Abbild der auditiven Wahrnehmung des Albums, das sich nun als auf Endlosschleife gestelltes Merry-go-round in meinem Player dreht. Jedes Mal mit einem wehmütigen Seufzer des jahrmarktsbesessenen Romantikers.
Fazit: Die knapp 35 Minuten sind eine nächtliche Kettenkarussellfahrt durch ein kunterbuntes Glitzerlichter-Paradies, das an weit geöffneten Seelen vorbeifliegt als könne das Leben nie vergehen und würde sich endlos weiter im Kreise drehen.
Es lohnt sich übrigens, die Special-Edition von “The Satanic Satanist” zu kaufen, wo es mit “The Majestic Majesty” gleich noch eine Bonus-CD mit UNPLUGGED-Fassungen aller Songs gibt, die die Liebe zu diesem “teuflisch guten Werk” (Na, jetzt ist der Bezug ja endlich hergestellt!) auf Riesenteddybär-Format vergrößern.
Wie gesagt: Es ist Sommer. Und in Düsseldorf ist Kirmes. Und auf meinem Lebkuchenherz steht in dickem Zuckerguss PORTUGAL. THE MAN.
PORTUGAL. THE MAN live:
07/23/09 Saarbrucken, Kleiner Club Garage, 20:15 Uhr
07/24/09 Weinheim, Cafe Central



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