One star shining – Zum Tod von Pina Bausch
Pina Bausch, die grandiose, die unvergleichliche, die unersetzliche ist tot.
Ich bin fassungslos. Ich bin sprachlos.
Nicht ganz. Da ist noch dieses Gedicht, das ich im letzten Jahr geschrieben habe. Die ersten Zeilen noch im Wuppertaler Theater, ihrem künstlerischen Zuhause, unter dem Eindruck ihres Stückes “Vollmond” – wundervoll wie all Ihre lyrischen Inszenierungen. Mit Tränen der Freude in den Augen.
In dieser Nacht des Abschieds stelle ich es noch einmal hier ein, diesmal mit Tränen der Trauer. Auch im Namen der vielen, sicher jetzt gerade untröstlichen Verehrer und Bewunderer dieser einzigartigen Künstlerin weltweit, verbunden mit dem nachgerufenen Dank an Pina Bausch für Ihr gesamtes Schaffen, für all die Poesie und den Klang der Bewegung.
Ich hoffe, sie wird auch die Engel das Tanzen lehren. Wenn es eine kann, dann sie, die unser Geschenk des Himmels auf Erden war.
Vollmond oder Luna et Insomnia
(Pina Bausch in bewunderndem Andenken gewidmet)
Unter der reifen Vollmondfrucht
nachtwandlerisch sehnende Sucht.
Mann und Frau, Frau und Mann,
wie Ebbe und Flut branden sie einander an -
Gezeitete Gelüste -
wie himmlische Wassergüsse
regnet es von allen Lippen Küsse.
Anziehungskraft der Körper -
magnetische Geschlechtlichkeit
im Rhythmus verrauschender Zeit.
Weibliche Wellen, männliche Wogen -
Ein Tosen berauschender Begehrlichkeit.
Ewiger Zyklus von entstehendem Wir,
das Vereinen von Du und Ich,
verschmolzener Menschenfels
inmitten des einsamen Nichts.
Um Sinn tanzende Daseinsgischt
unter dem fruchtbarsten Liebeslicht.
Nachklang von Gesang:
Im ersten tiefen Nachmond-Traum
füllt sich der phasenhaft beschlafene Raum
mit ferner Phantasie und halluziniert
eine Transistorradiomelodie:
Grapefruit moon,
one star shining,
is all that I can see.


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