Live, Musik - 18.06.09 - Tom

Picture Pogo: Zwonull macht Medienpunk für die Toten Hosen

Reden wir heute ausnahmsweise mal nicht so viel über die Toten Hosen und ihre Rampensau Campino vorne auf der Bühne, sondern mehr über das, was da während der “Machmalauter!”-Tour hinter den Düsseldorfer Vorzeigepunkern passiert an wildem Bildersturm.

Das ist dann automatisch Werbung für Wolfram Zwanziger alias Zwonull, der mit seiner fabelhaften Medienarbeit für die Hosen allerdings die beste Werbung gleich eindrucksvoll in eigener Regie betreibt. Über 200 Minuten Live-Visuals hat Zwanziger für die Auftritte der Band selektiert, arrangiert und produziert – eine wahre Gestaltungsorgie.

Wer einen Blick auf die Zwonull-Domain wirft, kann sich selbst davon überzeugen, was da an wildem Picture Pogo über die Leinwände tanzt. Das junge Bilderblut passt wie die Faust aufs Auge ewig junger Rock and Roll-Energie, wie sie die Altmeister vom Rhein verkörpern.

Dass mit Wolfram Zwanziger mal schwer zu rechnen sein würde, zeichnete sich bereits vor seinem Studium in Wuppertal ab. Denn als Praktikant ging er in die gute Querdenker-Schule des Designers und Künstlers Raimund Spierling (in dessen aktuellem sehr schönem Kunstprojekt “Unplugged” übrigens auch jede Menge Musikliebhaberei steckt).

In Spierlings Düsseldorfer Atelier trat jedenfalls sehr deutlich zutage, dass bei dem jungen Zwonull  Talent und Engagement eine kreative Mischung ergeben, die durch einen guten Schuss Neugierde und Mut zur Grenzgängerei gepusht werden.

Mit seiner originellen und bis ins Detail mit Liebe und Witz gestalteten “Roboter” -Diplomarbeit hat Zwanziger seinerzeit vom Mentor Spierling bis hin zur Wuppertaler Prüfungskommission der von Professor Bazon Brock geleiteten Hochschule die versammelte Designkompetenz beeindruckt.

Und zwar nachhaltig. Denn wann kommt man schon einmal in den seltenen Genuss, dass einem die Diplomarbeit eines Fachhochschülers im Gedächtnis bleibt?

Nun lässt Zwanziger es also hinter Campino, Andi, Breiti, Kuddel, Wölli mächtig bildgewittern auf scherbengleich angeordneten Leinwänden und sorgt so buchstäblich für Gedankensplitter, die bei den Fans haften bleiben. Chapeau!

Zum Schluss dann doch noch mal auch eine Lanze für die Toten Hosen:Die Zwonull-Kooperation zeigt, dass die Toten Hosen es verstehen, stets auf der Höhe der Zeit zu bleiben und sich dabei immer wieder auch mit ihren lokalen Wurzeln zu verbinden. Denn nicht nur Wolfram Zwanziger stammt als Sparringspartner aus der Düsseldorfer Region, Hans Steingen, der Produzent des aktuellen Albums “In aller Stille” ebenfalls.

Und schließlich ist es mit Wim Wenders einer der ganz großen Söhne der Stadt und engsten Freunde von Campino (der spielte in Wenders letztem Film “The Palermo shooting” ja sogar die Hauptrolle), der das schöne neue Schwarz-Weiß-Video zum Song “Auflösen” gedreht hat, in dem bei Campino alles andere als tote Hose herrscht, wenn er mit der großartigen Gastsängerin (eigentlich Schauspielerin) Birgit Minichmayr in den erotischen Clinch geht.

Alles zu sehen und zu hören beim audiovisuellen Gesamtkonzept auf der Machmalauter-Tour, die am kommenden Wochenende fortgesetzt wird und mit dem ultimativen finalen Höhepunkt von sechs aufeinander folgenden Weihnachtskonzerten beim “Heimspiel”  im Düsseldorfer ISS Dome ihr glorreiches Ende findet.

www.zwonull.com

www.dietotenhosen.de

www.spierling-art.de/unplugged



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