Musik - 07.06.09 -

Neue deutsche Querulanten-Quelle: Lüsternes Großstadtgeflüster

Bis einer heult. Programmatisch provokant ist der Titel des Albums von Großstadtgeflüster angelegt. Und was die Berliner Band unter dieses Motto packt, ist tatsächlich wenig zimperlich, sondern sehr direkt und aus dem Bauch heraus getextet und auch musikalisch nicht in Watte gepackt.


Der rotzig-trotzige Elektro-Punk-Pop des Trios versammelt musikalische Tugenden quer durch die 80er und 90er. Angefangen bei neue deutsche Welle-Anklängen über Synthie-Pop und New Wave-Einflüsse bis hin zu rohen Punk- und Grunge-Zitaten.

Wesentlich rauer und bewusst mehr auf Oberflächenreibung angelegt als die deutschen Vorzeigebands Juli, Silbermond und Wir sind Helden sind Großstadtgeflüster wesentlich näher an ebenfalls sehr rotzigen Bands wie Panda und Jennifer Rostock und präsentieren sich als neue progressive Kraft der hauptstädtischen Querulanten-Musikanten.

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Das Ganze kommt als gegen den konformistischen Strich gebürstete, sehr energie- und melodiegeladene Powerpackung daher mit reichlich Synthesizer-Groove und dem einen oder anderen Gitarrenbrett. Vor allem mit viel Sex-Appeal, der sich nicht allein in Andeutungen ergeht, sondern in anzüglichen Deutlichkeiten, die geradeheraus für die Lust an der Leidenschaft plädieren.

Ein selbstbewusstes, selbstbestimmtes, freiheitsbetontes urbanes Lebensgefühl durchzieht durchgehende dieses spritzige Album, das voller kleiner, bissiger und tanzbarer Ohrwürmer mit straighten Beats ist und in seinen besten Momenten an die Berliner Neue Deutsche Welle Kultband Ideal erinnert. “Lebenslauf” ist so ein höchst eingängiges Chartmonster, das sich wie Mia auf Ecstasy anhört.

Eine ganze Reihe solcher potenzieller Hits sind auf der Platte versammelt, die wegen ihrer verwegenen libidinösen Textcodes vor allem bei jüngeren Zielgruppen der Sturm- und Drangphase punkten dürfte. Stellenweise haben die Lyrics echte Rapper-Qualitäten”, was die sexuelle Eindeutigkeit angeht. Bei aller Direktheit übrigens durchaus auch mit Subtilität und Augenzwinkern.

So werden in “Pimmel und Erde” die Status-Symbol-Blender der Generation Gier entlarvt als Jungs, die ihre Potenz, die identisch ist mit geistiger Impotenz, am liebsten über “auf dicke Hose” machen demonstrieren. Ein richtig biestiger Song mit einem schönen Stachel.

Oder das kurze Intermezzo “Overdressed and Underfucked”, das gekonnt abgefuckte Single-Jagdinstinkte aufs Korn nimmt. Hier ab Mitte des Albums kommt es zu einigen “Höhepunkten”, beispielsweise mit einem Neuzeit-Schneewittchen, das hier eher mehr als Flittchen “Rock ´n´Roll Sexappeal” verbreitet oder bei “Komm zu Mama”, das lasziv-flüsternd alles ins Beuteschema Passende anlockt.

Auch anderes hat richtig Chuzpe. Das Stück “Die Stille” tarnt sich anfangs als scheinbar harmloses Lied mit einem solch stillen Einstieg, um dann in Punk-Lärm auszubrechen. Bis einer heult eben.

Das ist die rüde Geste der Straße und die wütende Stimme der Jugend, das ist gesungener Gangbang, One Night Stand und Quickie, unverschämt im wahrsten Sinne des Wortes.

Das Großstadtgeflüster hat also das Zeug zum Stadtgespräch, das sich wie ein Lauffeuer, besser läufiges Liebesfieber, verbreitet.

Mehr Großstadtgeflüster auf der Bandpage

Großstadtgeflüster live:

12.06.2009 Mindelheim -Open Air
19.06.2009 A-Amstetten -JUZ
04.07.2009 Bingen -Bingen Open Air
11.07.2009 Rostock -Campus Explosion
18.07.2009 Cuxhaven -Deichbrand Festival
24.07.2009 A-Rauris -Style Challenge
25.07.2009 München -Backstage Free&Easy Fetsival
26.07.2009 Seehausen am Staffelsee-Kulturknall
31.07.2009 Trebur -Trebur Open Air



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