Entdeckung eines emotionalen Eisdiamanten: Helgi Hrafn Jónsson
Zur Zeit begleitet ein junger, zeitweise in Österreich lebender und darum gut Deutsch sprechender Isländer die fabelhafte dänische Songwriterin Tina Dico als “one of my newer friends”, wie sie ihn selbst bezeichnet: Helgi Hrafn Jónsson.
Tina Dico vertraut den Fähigkeiten des Multiinstrumentalisten nicht nur bei ihren eigenen filigranen Songs und gelegentlichen “Übersetzungen” für das deutsche Publikum, sondern erweist dem sympathisch-gewitzten Freund auch die Ehre, das Vorprogramm der Dico-Tour zu bestreiten.
Bei diesen kurzen Auftritten weiß der seine Schüchternheit mit Humor überdeckende Jónsson vom ersten Ton an zu überzeugen und beweist in nur wenigen dargebotenen Liedern, wie herausragend hoch das Potenzial seines eigenen Songwritings ist, das dem seiner bereits international erfolgreichen Freundin in nichts nachsteht.
Ich hatte das Glück, Helgi Jónsson beim Gänsehaut-Gastspiel von Tina Dico (unbedingt ihr phänomenales Album “A beginning, A detour, An open ending” anhören!!!) vor einigen Wochen im Kölner Stadtgarten live zu erleben und habe spontan meine Liebe für seine Musik entdeckt, die einerseits von äußerster Fragilität und zu einem anderen Teil von innerer Stärke und Souveränität zeugt, was eine sehr anziehende Mischung von ambivalent schwingenden Klängen ergibt.
Ein Diamant, bei dessen herzerwärmenden Songs es einem eiskalt den Rücken hinunterläuft.
Jónsson musikalischer Kompass lässt sich irgendwo zwischen den Musik gewordenen Verwundungen von Nick Drake, Elliott Smith, Jeff Buckley, Damien Rice, dem kühlen, kargen und existenzialistisch-melancholischen Elektropop von Jay-Jay Johansson und dem beschwingten Grandezza-Pop von The Divine Comedy verorten. Allein diese Referenz-Klang-Landkarte zeigt, dass der Isländer mit der zerbrechlichen Stimme mit den mal mystisch anmutenden, mal sehr zugänglichen Pop-Songs für viele Musikliebhaber ein Geheimtipp sein müsste.
Nachzuhören auf dem mehr als beachtlichen Erstling “Gloandi” von 2005 und dem in diesem Jahr erschienenen bravourösen “For the rest of my childhood”, auf dem Jónsson neben englischen Songs auch Lieder in seiner Muttersprache singt, die allein dadurch schon einen sehr originären und faszinierenden Charakter erhalten.
10 schillernde musikalische Eiskristalle sind das auf diesem Album, das süchtig machen kann mit seinen intensiven Songs, deren Bandbreite von wundervoll gefühlvollen Balladen wie “Ashes away” und “Waltz” bis zu melodischen Up-Tempo-Ohrwürmern wie “Digging up a tree” reichen.
Absolut hinreißender Höhepunkt für meine nicht wenig verwöhnten Ohren: Die Hymne “This Solicitude”, die sich vom zerbrechlichen Spieluhrenauftakt über ein tolles Posaunensolo des Künstlers zum opulenten Breitwandorchester-Opus aufschwingt. Grandioser Song!
Nicht überraschend, dass Helgi Jónsson auch schon als Opener für seine isländischen Landsleute von Sigur Ros tätig war, einer der angesagtesten Independent Bands der letzten Jahre, die zu entdecken der Ohrtrommler über die wunderschöne Musik-Doppel-DVD “Heima” empfiehlt, auf der man den höchst eigenen Sound der Isländer ebenso kennen lernt wie ihre Herkunft von der bizarren, liebenswerten Insel im Norden.
Macht dem Ohrtrommler und vor allem Euch selbst die Freude und kauft oder downloaded Helgi Jónssons Musik. Solche Talente dürfen nicht im Verborgenen bleiben.
Mehr über den im besten Sinne bemerkenswerten Musiker auf den folgenden Webseiten:
www.helgijonsson.com/press
www.myspace.com/helgijonsson

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Nachricht aus dem Norden

















