Kult - 24.05.09 - Tom

Melancholische Porträts, vollendete Akte: Amedeo Modigliani in Bonn

Eigentlich kaum vorstellbar, dass das egomane Genie Picasso jemals Anwürfe von Neid oder Eifersucht auf einen anderen Künstler zeigte oder überhaupt zuließ. 

Im Falle von Amedeo Modigliani, der seinerseits Bewunderer und zugleich Rivale von Pablo Picasso war, hält sich jedenfalls hartnäckig das Gerücht, dass der große Spanier im kleinen Italiener einen echten, ernsthaften Konkurrenten um die Gunst von Kritikern wie Publikum, nicht zuletzt auch um die Zuneigung weiblicher Musen sah.

Die gelegentlichen, gezielten Provokationen von Modigliani in Richtung des spanischen Egozentrikers verfehlten ihre Wirkung auf den Meister nicht. Ebenso wenig wie die Ausstrahlung des jungen Mannes auf die Weiblichkeit, die ihm – weit mehr als dem iberischen Grande – zu Füßen lag und mit leidenschaftlicher Hingabe Modell saß für die unnachahmlichen Porträts und Akte des Malers, Zeichners und Bildhauers.

Eine Reihe dieser bedeutenden Meisterwerke des bereits mit 35 Jahren an Tuberkulose verstorbenen Amedeo Modigliani stellt derzeit die Bundeskunsthalle in Bonn aus. Bis zum 30. August 2009 präsentiert die frühere deutsche Hauptstadt eine umfangreiche Retrospektive mit Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen aus dem Zeitraum zwischen 1900 und 1919.

Für jeden Kulturinteressierten ist diese Werkschau eine bereichernde Begegnung mit der Magie schlichter Schönheit und mit einem der bedeutendsten und am nachhaltigsten wirkenden Künstler der Moderne, dessen oft melancholische, nachdenklich wirkende Menschenbilder expressionistische, kubistische und symbolistische Elemente und künstlerische Einflüsse von den Manieristen bis zur Kunst Afrikas vereinen und eine magnetische Anziehungskraft auf den Betrachter ausüben.

Die herausragende Fähigkeit von Amedeo Modigliani, ausdrucksstarke Gesichter und sinnliche Körper zu verewigen, insbesondere Akte von wundervoll unperfekten, aber durch ihre sanften Rundungen umso begehrlicheren Leibern zu schaffen, macht ihn zu einem der “physischsten” Maler der Kunstgeschichte und zu einem wahren Klassiker, dessen Figuren sich als Gedächtnisspuren im Bewusstsein des Publikums einprägen.

Zu entdecken gilt es hier bei dieser würdigen Bonner Hommage an das Schaffen des Italieners auch die Besonderheit einer klassischen Bohemien-Biografie, eines intensiven, kurzen und romantisch tragischen Künstlerlebens, das sich angesichts der frühen Prägung durch das Joch von Krankheit und Anflüge von Schwermut dem Exzess von Liebe und Suff anheim warf bis zum frühen Tod, dem seine Geliebte Jeanne Hébuterne im Freitod folgte.

Mehr Informationen über den Künstler und die Werkschau gibt es hier:

www.wechselausstellungen.de/bonn/amedeo-modigliani/

 

 

 



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