Musik - 23.05.09 -

Eminenter Rückfall: Eminem rappt die Epigonen an die Wand

Back in the Ghetto? Wohl kaum bei einem, der den Weg von unten nach ganz oben geschafft hat in die obersten Etagen des Musikbusiness. Aber so mancher hat den Aufstieg bis zum absoluten Höhenflug wesentlich schlechter und unwürdiger verkraftet als Marshall Mathers, berühmt geworden unter dem Pseudonym Eminem, der sich jetzt mit seinem neuen Album “Relapse” eindrucksvoll als Speerspitze der verbalen Giftspritzen zurückmeldet.

Als schlechteres Beispiel für eine Rückkehr nehme man nur die inzwischen nicht mal mehr Mitleid erregende Oberpeinlichkeit in Person, den früheren Vorzeige-Schwarzen Michael Jackson, der immer weißer im Gesicht und immer matschiger in der Birne wird. Von seiner unsäglichen Vorliebe für kleine Jungen nicht zu reden.

Eminem ist da von einem ganz anderen Kaliber. Ein Kerl mit “Eiern”, die er nicht wie der ehemalige King of Pop gesetzeswidrig Minderjährigen hinhält, sondern die er nutzt, um ganz abgefuckt den schwarzen Laden Rap ein zweites mal als Yankee aufzumischen und den Heerscharen von Slum Dog Millionaires zu zeigen, was ´ne Harke ist. Da ist noch echter Druck unterm Kessel, also spürbare Leidenschaft. Verbeugung vor soviel Chuzpe.

Jetzt ist der weiße Schwarze mit seinem neuen 20-Track-Werk nach über 5jähriger Abstinenz zurück im Ring der “Maulfechter” und schlägt sich bravourös. Das Geld hat ihn nicht korrumpiert und zum gierigen Weichei werden lassen, das nur seinen Goldhaufen vergrößern will. Nein, der Mann verleugnet seine Herkunft und Geschichte nicht und erweist seinen Wurzeln die Reverenz. Dirty, angry, hungry.

Eminem´s Beats sind immer noch funky catchy Obersahne, die Melodien überfallen einen mit superben, eingängigen Hooklines und der Ohrtrommler, der wahrlich eher ein Rap-Skeptiker ist, findet in diesem genialen Weißbrot tatsächlich einen, der ihm diese Musik einmal mehr schmackhaft macht – spätestens seit dem oscargekrönten Audio-Video-Erlebnisbericht “8 Mile”. Allein dafür sei dem Marshall Dank gezollt.

Der clevere Kerl macht auf “Relapse” genau das, was man starken Kerlen nachsagt – alles richtig. Bis hin zur alten Binsenweisheit, dass man sich als Platzhirsch am besten mit starken Leuten umgibt, in diesem Fall mit Dr. Dre als Produzent, also mit einem, den man selbst eine Ikone des Genres nennen darf. Der erhebt dann auch zum Finale selbst die Stimme zusammen mit 50 Cent, einem weiteren Top-Namen der Old Rap School, um dem Bleichgesicht und Bruder im Geiste die verdiente Wertschätzung zu demonstrieren.

Passt, wackelt, hat Luft und setzt Zeichen für die Zukunft. Und wie der letzte Titel fast schon mit understatement verspricht, bleibt der etablierte Eminem doch sichtlich und zur Freude aller Fans des Rap dem “Underground” verhaftet. Glückwunsch zu soviel schwarzer Seele unter der weißen Haut. Das wird gewiss auch im “Schwarzen Haus” auf Gegenliebe treffen.

Ich jedenfalls bin mir ziemlich sicher, dass auch Barack Obama beim Anhören von “Relapse”ganz unpräsidial denken wird: Yeah man, coole Sau, dieser weiße Schwarze.

Alles Weitere direkt vom Meister:

www.eminem.com

 



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