Musik - 30.04.09 - Fritz

Das Ende des Sozialstaats: Was wird aus uns, wenn keine Regeln mehr gelten?

Deutschland im Jahr 2019: Der Sozialstaat steht kurz vor dem Zusammenbruch. Eine inoffizielle Organisation beginnt, angebliche Sozialschmarotzer zu töten.

Auch Volker Kühn wird im Krankenhaus zum Opfer dieser »Behandlung«. Als er erfährt, dass er nur noch wenige Stunden zu leben hat, flüchtet er und versucht – verfolgt von den Agenten des mörderischen Systems -, die Wahrheit publik zu machen.

Andreas Laudans Debüt ist sozialkritische Utopie und spannender Echtzeit-Thriller in einem. Der Autor hat als promovierter Musikwissenschaftler selbst viele Jahre als Gelegenheitsjobber überlebt.

Pharmakos – Thriller

Leseprobe

Pharmakos Andreas Laudan

Volker riss die Schublade auf und kramte mit fliegenden Fingern nach den Tabletten. Endlich fand er das Röhrchen und schraubte es fahrig auf – die Tabletten fielen heraus, verstreuten sich über den Boden, und einige kullerten quer durch das Krankenzimmer. Volker fluchte, warf sich auf den Boden und haschte nach einer Tablette, die unter das Bett seines Leidensgefährten gerollt war.
»Unfassbar«, hörte er von oben Andresens Stimme. »Die müssen sich wirklich sicher fühlen… zwei von uns am selben Tag, im selben Zimmer… vielleicht, weil keiner von uns Angehörige hat.« Volker achtete nicht auf ihn.

Unter normalen Umständen hätte er es pietätlos gefunden, so unter dem Bett eines Sterbenden herumzukriechen, aber er hatte schon lange verloren, was ahnungslose Humanisten einst die Menschenwürde genannt hatten. Im Moment war er sich selbst der Nächste.

Er bekam die Tablette zu fassen, raffte den kläglichen Vorrat zusammen – gerade fünf Stück- und stolperte in die Nasszelle. Während er seinen Zahnputzbecher mit Wasser füllte und die Tabletten hinunterwürgte, hörte er wieder die mahnende Stimme des alten Mannes. »Lassen Sie es, Kühn. Sie machen es sich nur unnötig schwer. Wollen Sie auf der Straße sterben?«

Laudan, Andreas Pharmakos
Roman, 256 Seiten

ISBN 978-3-423-21139-0
Euro 8,95 [D] 9,20 [A] sFr 15,90
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