Ekstasen in Farbe: Cecily Browns erotisierende Kunst in Hamburg
Sicher eine der verführerischsten und sinnlichsten Kunstausstellungen, die man in diesem Jahr besuchen kann, ist gestern in Hamburg eröffnet worden. Die Deichtorhallen in der Hansestadt präsentieren die erste große europäische Werkschau der in New York lebenden Malerin Cecily Brown.
Die Hamburger Ausstellung zeigt 48 Werke der vor 40 Jahren in London geborenen Künstlerin, die innerhalb der letzen Schaffensdekade entstanden sind.
Der für diese “hautnahe pralle Prachtschau” verantwortliche Deichtorhallendirektor Robert Fleck versteht es, seinen Hamburger Abgang zu inszenieren und Hoffnungen auf sein zukünftiges Kuratoren-Schaffen zu wecken. Denn bei der Hommage an die SoHo-Ikone Brown handelt sich sozusagen um das fabelhafte Abschiedsgeschenk von Robert Fleck, der zum Chef der Bundeskunsthalle in Bonn avanciert.
Seine Entscheidung für das von der New Yorker Kunstszene zum Alpha-Weibchen erkorene Cecily Brown und eine parallele Werkschau des ebenfalls höhere Kunstreputationen genießenden Österreichers Herbert Brandl beschert dem Hamburger Publikum einen Farbenrausch der ekstatischen Art, ein Feuerwerk inspirierter und zugleich provokanter Malkunst.
Cecily Brown befeuert in ihren an der Grenze zum Abstrakten balancierenden figurativen Akten erotische Phantasien und scheut dabei auch nicht Tabubrüche und die bewusste Provokation, ihre Werke dem Biedermann-Vorwurf der Pornografie auszusetzen.
Anders aber als bei dem in Australien lebenden Chilenen Juan Davila, dessen exhibitionistische Werke bei der Documenta 12 in Kassel gezielt den pornografischen Voyeurismus befriedigten, weiß Cecily Brown den Moment fleischlicher Begierden auf poetische Weise festzuhalten und Leidenschaft malerisch so zu überhöhen, das er zum sinnlich-sinnbildlichen Ausdruck wird, zum in Farben aufgelösten Orgasmus.
Allein diesen Ausdruck von sexueller Energie und Intensivität in der Kunst zu erleben, ist den Weg nach Hamburg wert. Die Werkschau in den Deichtorhallen ist bis zum 30. August 2009 zu sehen.
Einen interessanten Artikel über die Künstlerin findet Ihr im New York Special des Kunstmagazins ART von 2008, der Cecily Brown bei einem Besuch in ihrem New Yorker Atelier porträtiert.
Weitere Informationen zur Ausstellung unter
www.deichtorhallen.de


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