Pure Poesie und Melodie: Schall und Schatten von Dota
Dota Kehr macht es jedem Musikliebhaber leicht, sie ins Herz zu schließen. Weil man bei ihr in jeder Note, zu jeder Sekunde spürt, wie sehr sie mit dem Herzen bei ihrer Sache ist. Und diese Sache ist Musik in ihrer reinsten, geerdeten Form. Kein Wunder, die “Kleingeldprinzessin” ist eine straßenmusikalisch erprobte Fee, der es mühelos gelingt, mit dem Kopf in den Sternen und den Füßen auf dem Boden zu sein, wie es Paloma Picasso einst so poetisch formulierte.
“Schall und Schatten”, das neue Album von Dota (diesmal ohne Stadtpiraten) ist ebenfalls pure Poesie, ein etwas über eine halbe Stunde langer Ausflug in die Leichtigkeit des Seins mit dem Hauch Nachdenklichkeit und Melancholie, der einen in der Balance des klanglichen Schwebens innehalten und reflektieren lässt über die lyrisch-philosophischen Texte der Berlinerin, die ich hier erneut als Dichterin würdigen möchte, deren eigene Worte von Feinsinn und Tiefsinn geprägt sind, die sich aber auch nicht zu schade dafür ist, das poetische Potenzial anderer einzubinden, um es nicht im Verborgenen zu lassen.
Gleich der Einstieg mit der kleinen, karg gehaltenen Liebeswahrheit “Schatten” durchdringt das Gehör mit wenigen betörenden Textzeilen von Uta Köbernick, deren lyrische Stärke in der Einfachheit liegt, eine “Sachliche Romanze”, die an den wunderbaren Erich Kästner und an wehmütige Liebeszeilen der nicht minder verehrten Mascha Kaleko erinnert. Ein zweiminütiges Roadmovie, das uns mit auf die Reise nimmt in die Tiefen und Untiefen der Gedanken und Gefühle.
Das Album ist insgesamt so dicht und homogen, dass etwas hervorzuheben eigentlich keinen Sinn macht. Trotzdem: Das verspielte und pointierte “Trinken” und das positiv fatalistische “Kein Morgen”, das im Shuffle-Stil dafür plädiert, im Hier und Jetzt zu leben, gefällt allein schon durch seine lyrische Nähe zu den eigenwillig poetischen Texten eines Sven Regener, den ich mir mit seinen Element of Crime einmal als ideale musikalische Kollaboration mit Dota vorstellen könnte. (Element of Crime haben übrigens für den Herbst endlich einen offiziellen Studio-Nachfolger des Goldalbums “Mittelpunkt der Welt” angekündigt.)
“Geschwindigkeit des Schalls”, “Zum Glück” und “Unsichtbar” sind drei sehr konzentrierte Lieder, die mit ihrer Melancholie berühren. Ganz großartig sind Dotas “Sterne”, die durch die sommerlich verträumte Instrumental-Skizze “Fradique” eingeleitet werden. Dieses wunderschöne, melodische Sternschnuppen-Poem ist für mich zusammen mit dem “Walzer für niemand” von Sophie Hunger eines der schönsten deutschsprachigen Lieder der letzten Jahre.
Das reine Brasileiro “Do alem” und das deutsch-portugiesische “A primeira vista” schließlich, die beide Liebeserklärungen an die völkerverbindende Magie der Musik sind, komplettieren das 10 Stücke währende Werk, das so dann eben schnell mal komplett hervorgehoben ist.
Atmosphärisch lebt diese Gemeinschaftsarbeit der Berlinerin mit verschiedenen brasilianischen Musikern von den luftigen, leise sommerlich verträumten Arrangements, die in melodische moderne Folklore gebettet sind. Dabei wird das südamerikanische Element allerdings nicht vordergründig inszeniert und als stilistische Mogelpackung von Samba und Bossa Nova deklariert, sondern vermittelt glaubwürdig die multikulturelle Seelenverwandtschaft zwischen musizierenden Menschen, die im wahrsten Sinne des Wortes miteinander harmonieren. Und die haben Etikettierungen ohnehin nicht nötig.
Die brasilianische Stimmung durchzieht das in Sao Pulo aufgenommene Album nicht nur durch die bekannten markanten Stilmittel von akustischer Gitarre und zarter Perkussion und die gelassene, sonnig entspannte Grundstimmung, sondern auch durch gelegentliche textliche Ausflüge in die portugiesische Sprache, die so wunderbar melodiös und samtweich fließend ist. Und von Dota liebevoll und vertraut wie eine zweite Muttersprache behandelt wird.
Überhaupt ist es immer wieder Dotas klare, ehrliche Stimme, die bei aller Zartheit eine starke integrative Kraft besitzt, die alles wohltuend unaufgeregt miteinander verbindet und fließen lässt. Eine unverstellte aufrichtige Stimme, bei der man immer das Gefühl der räumlichen Nähe und seelischen Zugewandtheit hat, die einem stets so offen und freundlich begegnet wie die beseelte Straßenmusikerin an der nächsten Ecke, die mit ihrem Gitarrenkoffer auch ihr Herz öffnet.
Eingebettet in die präsenten Saitenzupfer und dezenten Tupfer der anderen Instrumente entwickelt “Schall und Schatten” so einen Reiz und Sog, der nur als Zauber der Berührung zu beschreiben ist, der allem Anfang innewohnt, der aber auch weit darüber hinausreicht. Ein Melodienmobilet, dessen Klänge einen sanft und leise umkreisen und den Kopf verdrehen ohne auch nur einen Ton an Zuviel. Schlicht und schön, wahr und gut ist dieses kleine Juwel, das aus sich heraus glänzt. Was Besseres könnt Ihr jetzt im Frühling beim Sonntagsfrühstück im Bett nicht hören, wenn die Sonnenstrahlen durch die Fenster aufs Liebesspiel fallen, zu dem die Vögel zwitschern.
Also schenkt Euch dieses Album selbst und dann verschenkt es an Eure Liebsten, damit die es weiterverschenken, auf dass sich der “Schall und Schatten” verbreite als musikalischer Kettenbrief, um die Herzen in aller Welt zu ereichen und tatsächlich reicher zu machen durch seine Wärme.
Fazit: Wer Dota nicht ins Herz schließt, hat keins.
Ab heute ist die CD direkt über die Homepage von Dota zum Preis von 11 Euro plus Versandkosten beziehen. Ab 10. April gibt es das Werk auch im Handel. Und ab sofort ist Dota mit ihrer Stammband, den Stadtpiraten auf großer Deutschlandtour, um uns auch live mit ihren facettenreichen musikalischen Herzensangelegenheiten zu beglücken. Die Termine und weitere Informationen zu Dota findet Ihr unter
www.kleingeldprinzessin.de
Hörproben gibt´s auch hier:
www.myspace.com/dotaunddiestadtpiraten


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