Musik - 14.03.09 -

Lieber spät als nie: Loblied auf Bodies of Water

Die aus Los Angeles stammende Band Bodies of Water stand eigentlich schon seit Ende 2008 auf meiner Rezensions-Liste seit ich sie als Guest Act beim Calexico Konzert im Kölner E-Werk live erlebt und erstmals gehört habe. Aber im Vorweihnachtsgetümmel ist die CD-Notiz dann wohl unter die zahlreichen Wunschzettel gerutscht. Aber jetzt ist es endlich soweit, da das Album “A certain feeling” gerade mal wieder dauerrotiert auf meinem CD-Player und das mit gutem Grund.

Originelle Songstrukturen, Breaks und Verschachtelungen, jede Menge Dynamik und Melodiegefühl, dabei ein dichter Sound sind die Markenzeichen von Bodies of Water. Die Kalifornier haben sich ein sehr eigenes Indiegebräu gemixt, dass spannungsvoll und lässig zugleich ist, in dem Grunge-Anteile ebenso anklingen wie Underground-Klänge a la Velvet Underground, die schrill-schrägen Harmonien der frühen Roxy Music oder auch die kühle Distanziertheit der emotionalen Intensivstation Joy Division.

Eine orgelorgienartige Ray-Manzarek-Nachkommenschaft wird hier zudem beansprucht – beim Bodies of Water-Sound kommen einem tatsächlich manchmal The Doors in den Sinn. Auch Sedimente von New Wave und Glamrock haben ihre Spuren in den Songs hinterlassen, die einen vielschichtigen und dabei in sich stimmigen Eindruck ergeben. Schließlich ist noch ein Hauch Young Marble Giants drin in diesem aufregend klingenden Mix aus klassischen Ingredienzien und Avantgarde.

Klingt vielleicht alles eher verwirrend und unausgegoren, ist aber in jeder Sekunde hoch spannend, sehr ambitioniert und vor allem quicklebendig, so dass dieses Album auch beim mehrmaligen Wiederhören seine große Frische bewahrt und immer wieder neue Entdeckungen zulässt, von denen es eine Menge gibt. Vom enormen Druck und Drive, der die Songs antreibt bis hin zu den verspielten und spinnerten Spirenzchen, von denen es wimmelt und die sich zu einem harmonischen Ganzen fügen.

Manche dieser erst mal etwas sperrig wirkenden Lieder entwickeln bei mehrmaligen Hören regelrechten Ohrwurmcharakter ohne je oberflächlich zu wirken. Im Gegenteil – Gerade weil sich so viel unter der Oberfläche tut, verbinden sich die verschiedenen Ebenen mit der Zeit mehr und mehr zu einer Einheit, die nachhaltig in Erinnerung bleibt.

Ehe die Vielfalt des verwendeten Vokabulars und der identifizierten Quellen und Einflüsse noch zuviel ??? beim geneigten Leser erzeugen und Zweifel aufkommen lassen, ob ein derart illustres Gemisch denn nun wirklich so originell klingen kann wie es der Rezensent andeutet, empfiehlt der Ohrtrommler eine intensive Hörprobe unter www.myspace.com/bodiesofwater und weitere Infos auf der Band-Homepage www.bodiesofwater.net

Unbedingte Anspieltipps: “Gold tan Peach and grey” und “Under the pines!” Danach habt Ihr “ein sicheres Gefühl” für die Großartigkeit von Bodies of Water.



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