Klang-Katharsis der visionären Art – KTU: Quiver
Die kopfüber gestürzte Libelle auf dem Cover dieser CD ist eine perfekte Metapher für die Musik, die einen auf dem Werk namens “Quiver” von KTU erwartet. Ein ebenso fiebrig und nervös vibrierendes wie filigranes, sensibles Flugobjekt von bunt schimmernden Tönen, die einen umschwirren wie vor Leben bebende Flügel, deren Zittern Lawinen auslösen kann.
Drei instru-mentale Zauberer haben sich da zusammen gefunden, die ihre Virtuositäten ineinander weben, dass es ein wahrer Hörgenuss ist. Die beiden King Crimson Kreativköpfe Pat Mastelotto (Electric Percussion, Beats, Noises) und Trey Gunn (Warr guitar) treffen auf den finnischen Akkordeon-Derwisch Kimmo Pojohnen, dessen bizarr-poetische Extravaganzen hier perfekte Ensemble-Gesellschaft finden, in der es ich nach Lust und Laune austoben lässt.
Pohjohen, der als Akkordeon-Punk das Pendant zu Violinen-Virtuose Nigel Kennedy darstellt, ist ohnehin eine der größten audiophilen Entdeckungen der vergangenen Jahre. Ein Grenzgänger und Genreverbinder von höchsten Gnaden. Mutig, manisch, mystisch und beseelt von musikalischer Leidenschaft und Hingabe an sein Instrument und dessen immer neu zu entdeckenden Möglichkeiten.
Selten nur erlebt man einen solch begnadeten Musiker, der im wahrsten Sinne des Wortes das Beste, in seinem Fall das noch nie zuvor Gehörte aus seinem Instrument herauszuholen versucht.
KTU ist mehr als ein kollegiales Interessen-Trio, es ist ein Triumvirat progressiven musikalischen Denkens und Verwebens – ein kathartisches Abreagieren von Emotionen, die zwischen aggressiven Ausbrüchen und zutiefst empathischen Melodiebögen hin- und her oszillieren. Eingebettet in einen dichten, kompakten, sehr räumlichen Sound, den sich jeder Klangästhet als selten gehörte Delikatesse auf dem Trommelfellchen zergehen lassen wird.
Das Ganze klingt wie eine in den Jungbrunnen des Progrock gefallene Mischung aus King Crimson, Van der Graaf Generator, Pink Floyd und Jazz-Avantgardisten wie Nils Petter Molvaer, ungeheuer dynamisch und zugleich lyrisch, avantgardistisch experimentell und dabei tiefgründig melodiös. Psychedelisch geradezu in der Wirkung hat “Quiver” rauschartige Züge und man assoziiert Klangbilder, die direkt aus dem Fantasiezentrum von Halluzinogen entsprungen scheinen.
Ein radikales und äußerst konsequentes akustisches Erlebnis, pulsierend, aufbrausend und schließlich ganz konzentriert auf seine Mitte zufließend bis in erschöpfende Stille. Meta-physisch! Grandios!


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