Großer Spaß! Southside Johnny bringt Tom Waits zum Swingen
Einer dieser seltenen, gelobten Momente, wo einem völlig überraschend ein großartiges Album begegnet, was einen bei genauerem Hinhören und Hintergrundwissen eigentlich gar nicht überraschen dürfte. Bei “Grapefruit moon” von Southside Johnny nimmt sich ein ausgebuffter, oft verkannter Rockmusiker der alten Garde dem Werk eines der größten Songpoeten unserer Zeit an und verwandelt die Songs in ein Big-Band-Swing-Album, das einen vom Hocker reißt.
Nach Scarlett Johansson´s “Anywhere I lay my head” erneut eine sehr eigenwillige, sehr gelungene und hier dazu noch sehr stilsichere Hommage an den großen Tom Waits und seinen an Perlen reichen Songkatalog. Schon die Stimme von Southside Johnny macht auf die ersten Textzeilen klar, dass dieses Projekt nicht von ungefähr kommt. Denn genau wie der musikalische Vorlagengeber Tom Waits verfügt Southside Johnny über ein von Whiskey und Zigaretten verkratztes Organ, das noch aus dem harmlosesten Kätzchen von Song ein gefährliches Raubtier zu machen versteht.
Und dieser Typ aus New Jersey im Schatten eines Bruce Springsteen hat auch das Talent und Einfühlungsvermögen, dem Songkatalog des genialen kalifornischen Kauzes im Gewand des Swing genau die Aspekte abzugewinnen, die kompositorisch und stilistisch geradezu originär in ihnen stecken.
Denn jeder, der Tom Waits auch nur etwas genauer studiert hat, weiß, dass dessen Wurzeln und Antrieb zum einen ganz tief dem ursprünglichen Jazz und Blues und zum Zweiten der Tradition von George Gershwin und Leonard Bernstein entwachsen.
All das ist auf “Grapefruit moon” zu hören, einer wahrlich aufregenden Rhythm and Blues trifft Big Band Swing-Scheibe, die den Spagat zwischen Dr. John´s New-Orleans-Voodoo-Zauber und dem viel gerühmten Robbie Williams-Sinatra-Kniefall problemlos hinbekommt. Das stellt sogar die sehr gute Swing-Referenz “Appearing nightly” der Grande Dame des Jazz, Carla Bley um Längen in den Schatten.
Ein fabelhafter Spaß, nicht nur für Nostalgiker, Genre-Fetischisten und alle, die schon immer ahnten, dass das Gros der Waits-Songs das Zeug zum Jazz-Klassiker hat. Jede Wette, dass das legendäre Rat Pack dazu höllisch im Himmel abgroovt oder umgekehrt.
Sehr dirty! Sehr sexy! Sehr elegant!
Der erste ganz heiße Xmas-Tipp für den alljährlichen Gabentisch. Dazu swingen ein verschwitzter Santa und ein hemmungsloses Christkind garantiert drei heilige Tage und Nächte hindurch. Macht es ihnen nach!

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