Bücher - 23.10.08 -

Aus-Lesen: Elke Heidenreich wird vom ZDF abgestraft

Ein bisschen Kritik ist ja ganz schön. Vor allem wenn es Literaturkritik ist. Die tut nicht weh, macht ein kulturpolitisch reines Gewissen und wenn sie so populär, lebendig und virtuos vorgetragen wird wie von Elke Heidenreich, schmückt sie einen TV-Sender ungemein.

Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn die Kritik die Buchdeckel verläßt. Anlässlich der Debatte um Marcel Reich-Ranicki und seine harsche Kritik am deutschen Fernsehprogramm hatte sich auch Co-Kritikerin Heidenreich eingeschaltet. Das Ergebnis: Das ZDF setzt sie vor die Tür.

Sie riet ihrem Mitsteiter für eine lebendige Lesekultur Ranicki, sich auf kein Beschwichtigungsgespräch mit Thomas Gottschalk einzulassen sondern sich stattdessen an die Programmverantwortlichen zu wenden. In diesem Zusammenhang nannte sie ZDF-Moderatur Gottschalk einen “müden alten Mann”. Auch der Sender ZDF bei dem ihre eigene Literatursendung LESEN seit Jahren erfolgreich läuft, musste deutliche Worte einstecken. Sie schäme sich, “in so einem Sender überhaupt noch zu arbeiten.”

Die Programmmacher zeigten sich von soviel streitbarem Geist überfordert. Elke Heidenreichs Sendung wird abgesetzt. Zwar werde es auch 2009 noch eine Literatursendung im ZDF geben, es sei aber noch nicht klar, von wem diese moderiert werde.

Es ist höchst fraglich, ob der Sender in der Lage sein wird, jemanden zu finden, der Elke Heidenreich auch nur annäherd das Wasser reichen kann.

Ihre Liebe zur Literatur, ihre Freiheit des Denkens, ihre Herzlichkeit und Herzhaftigkeit ist unnachahmlich. Das ZDF ist schlecht beraten, sich so kritikunfähig zu zeigen. Elke Heidenreich ist zu einer Institution für Leser herangereift und hat sich somit jedes Recht erworben, auch in deutlichen Worten die Welt um sie herum zu beschreiben.

Andere sehen das anders. Bettina Röhl in der Welt Debatte



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