Musik - 18.10.08 -

Lieder aus einer anderen Welt: Antony and the Johnsons

Antony and the Johnsons, spätestens seit der grandiosen bittersüßen Gänsehaut-Songperle “Hope there´s someone” kultisch verehrt, scheinen von mal zu mal mehr zur Reinkarnation des seinerzeit völlig verkannten Musik-Avantgardisten Klaus Nomi zu werden, dem erst nach seinem Tod vor 25 Jahren die verdiente Ehre zuteil wurde als außergewöhnlicher Künstler wahrgenommen zu werden.

Antony and the Johnsons – Hope There’s Someone


Die fünf neuen Songs der EP “Another world” klingen in der Tat so unheimlich, als würde Nomi durch die Stimme von Antony Botschaften aus dem Jenseits schicken. Und das Album-Cover mit dem Porträt der japanischen Butoh-Tanz-Ikone Kazuo Ohno, der Ende Oktober 102 Jahre alt wird, ist ein ebenso entrücktes Zeichen, das einer anderen fernen fremden künstlerischen Parallel-Welt entsprungen scheint.

Antony Hegarty verfügt wie sein schwuler Bruder Klaus Nomi im Geiste und in der Seele über diese enorme Verwundbarkeit, die getarnt durch die Unnahbarkeit einer androgynen Kunstfigur den vermittelten Schmerz aufzuheben scheint. Etwas Unwirkliches ist immer auch anwesend in der schmerzlichen Präsenz von Figur und Song, die miteinander verschmelzen.

Die zerbrechlichen Songs changieren zwischen verschiedenen Stufen von artifizieller Schwermut und dieser sehr speziellen homosexuellen Zärtlichkeit, die etwas überbordend Hingebungsvolles, beinahe Selbstzerstörisches hat. Wie stets prägt Antony Hegarty die zumeist ambivalent traurig-sehnüchtig-optimistisch wirkenden Lieder mit seinem berührenden Countertenor-Falsett.

Und wieder schafft Hegarty einen absoluten Höhepunkt, einen magischen Moment, der das Herz bluten und den Verstand still stehen lässt. Mit dem Saxophon spukenden “Shake the devil” und seiner unfasslichen, fesselnden kammermusikalischen Struktur einer dynamisch marschierenden Ballade in Vaudeville-Charakteristik ist Antony and the Johnsons einer der ganz großen, Atem beraubenden, verstörend-betörenden Songs dieses Jahres gelungen. Unerhört wahrlich”

Insgesamt ist dieser in sich geschlossene 5-Song-Zyklus “Another world” der vom Künstler als Vorbote des neuen für Januar 2009 angekündigten offiziellen Albums gedacht ist, so manieristisch wie existentialistisch, so exaltiert wie introvertiert, so dekadent wie depressiv. Theatralisch! Großartig! Faszinierend! Kunst!

 



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