Musik - 11.10.08 -

Endlich mal eine gute Bank in der Bankenkrise: Oasis


Besser kann man in der derzeitigen Spekulanten- und Dilettantenkrise der Weltwirtschaft 10 Euro kaum anlegen als das Geld in die neue Oasis-CD “Dig out you soul” zu investieren (für einen Zehner verticken Saturn und Amazon aktuell das neue Werk der Gallagher-Brüder). Gibt zwar keine Zinsen, aber jede Menge nachhaltigen Spaß, auch fürs Rentenalter. Denn näher waren Oasis nie an den Beatles.

Ja, ja, höre ich die Bewahrer der heiligen Kühe schon wehklagen, hat es der Ohrtrommler nicht eine Nummer kleiner. Ein klares Nein als Antwort, weil die Gallaghers und ihre Mitstreiter diesmal tatsächlich die Ikonen des Pop in sich aufgesaugt haben und in 11 feinen Stücken ausgeatmet statt wie sonst oft schlampig ausgekotzt haben.

An der Gitarren- und Gesangarbeit der Brüder gab es ja selten wirklich was zu nörgeln, aber auf “Dig out your soul” stimmt diesmal alles vom ersten bis zum letzten Riff, die Gesangharmonien sitzen sicher darüber und die Rhythmusfraktion Bell, Archer, Charrock pusht das Ganze permanent auf die Höhen, auf denen man die Band seit ihren glorreichen Anfängen sehen und hören wollte.

Apropos. Vielleicht ist das sogar das kleine Geheimnis hinter der großen Tat, dass Oasis diesmal wirklich wie eine eingeschworene und aufeinander eingespielte Band wirken und nicht wie ein Paar therapiebedürftiges Brüder, die ihre Egomanie in Wahnsinn und Genie aneinander zerreiben.

Den letzten Alben ging ja oft ein großmäuliges Geklapper inklusive öffentlichen, wohl beabsichtigten Ich-bin-das-einzig-legitime-Pop-Arschloch-Auftritten voraus, dem dann bis auf wenige großartige Einzelsongs mehrheitlich uninspiriertes Handwerk folgte bis hin zur Enttäuschung, die Oasis schon “unter Wert” abbuchte und wenig Hoffnung ließ, dass da noch mal was für die Ewigkeit kommen könnte, das den frühen Ruf als einer der besten Bands der Welt rechtfertigt.

VIDEO: The Shock Of The Lightning

Und dann hauen einem die ewigen Rotzlöffel plötzlich 11 Treffer um die Ohren, dass das Herz nur so vor Freude tanzt. Denn das hat wirklich Soul und Groove, genauso wie es Liam versprochen hatte, diesmal durchaus kleinlauter als gewohnt. Songs, die voller Dynamik, Theatralik und auch Psychedelik sind. Eingebettet in gut proportionierte Ohrwurm-Melodien und wohl dosierte Emotionen, die so gar nichts von kalkulierter Hitglätte haben.

Genau das macht “Dig out your soul” zu einem Album, das in seinen besten Momenten an “Sgt. Pepper´s” erinnert, vor allem was diese verzerrten und verdichteten Schleifen und Verschachtelungen im Hintergrund angeht, während im Vordergrund das kollktive Instrumenten- und Stimmenwerk stramm geradeaus läuft und Amboß, Hammer und Steigbügel in Flimmerhärchenverzückung bringt.

Ob ein wirklicher Hit dabei ist? Ich sage 11, andere werden behaupten keiner. Wen interessiert das aber ernsthaft, ob die Gallaghers sich zwischen all diesem Melodien-Mittelmaß der Casting-Klons und – Clowns tummeln, wenn diese Band der großen Hoffnungen und Erwartungen endlich den Beweis antritt, dass ihre Klasse über der Masse steht und weit mehr zu bieten hat als geringst halbwertzeitiges Chartfutter.

Und darum, um den Kreis zu dem größenwahnsinnigen Bankenversager-, Börsenblender-Bürgerabzockerabschaum, den man umgehend mit äußerster dominanter Strenge an Andreaskreuze binden, auspeitschen und nie wieder loslassen sollte, zu schließen. Oasis sind endlich eine musikalische Bank meines Vertrauens, von der ich jetzt doch und wieder reichlich Rendite erwarte.

Fazit: Geht doch Großmaul! Endlich mal die Klappe ganz weit aufgerissen und richtig viel, nein wirklich alles gehalten.

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