Musik - 21.09.08 -

Sommer reloaded – Herman Dune mit einem Album voller Sonne

 

Eigentlich schade, dass der Sommer just dabei ist, sich in den morgen kalendarisch offiziell beginnenden Herbst zu verabschieden. Denn mit “Next year in Zion” haben Herman Dune gerade das sonnenreichste Pop-Album des Jahres veröffentlicht, das voll ansteckender Lust und Laune steckt, das südliche Sehnsüchte weckt und in dem sich Exotik und Erotik stilvoll begegnen.

Im Albumtitel ist die halbjüdische Herkunft der Brüder David-Ivar Herman Dune und Bruder Neman angedeutet, die in Schweden geboren und in Paris aufgewachsen sind. Der multikulturelle Hintergrund der “französischen” Band (durch die Musiker selbst verortet) ist unüberhörbar und hat erfreuliche abwechslungsreiche Spuren in den Kompositionen von David-Ivar hinterlassen.

Ein Album voller Rhythmen, die sich zwischen Osteuropa, Mittel- und Südamerika und Karibik austoben, hier ein wenig Polka, da etwas Klezmer, dort ein Schuss Samba, ein Spritzer Reggae-Feeling dazu. Das ergibt einen herrlich bunten Audio-Cocktail, der irgendwie nach Caipirinha Sunrise Colada on the Jamaican Dope Beach klingt. Ein exzellenter Mix von Lebensfreude also, der aber ohne die Oberflächlichkeiten des dandyhaften Eskapismus auskommt und auch Platz für Nachdenklichkeit und Reflektion lässt.

Von entwaffnendem Charme und heiterer Lebendigkeit sind die Songs von Herman Dune, die an der einen oder anderen Stelle ein Hauch von Melancholie durchzieht, was ihrer Grundleichtigkeit eine emotionale Erdung gibt und ihnen echte Charakterstärke verleiht. Gleich der erste Titel des Albums hat alle Ingredienzien, die man von einem großartigen Pop-Song erwartet.

Mit dem warmherzigen, in seinem Optimismus leicht gebrochenen “My home is nowhere without you” ist Herman Dune eines der schönsten Liebeslieder 2008 gelungen. Wunderbar eingängige Melodie, die das beste aus unterschiedlichen Songwriter-Welten vereinigt: Engels-Chöre an der Seite, Blechbläser vorn, Holzbläser hinten, twangende Gitarren zwischendrin und Jonathan Richman Geklapper (auch der Altmeister ist gerade mit einem hörenswerten neuen Album am Start) drumherum, ein großer kleiner Kosmos von Song.

“Try to think about me” ist diesem fantastischen Einstieg in der Grundstimmung verwandt, kommt noch ein wenig besinnlicher daher, erneut mit einer berührenden Chorus-Gesangslinie. Und so geht es unentwegt weiter in diesem Werk, das seine angeborene Fröhlichkeit mit wohl dosierter Wehmut auszubalancieren weiß, dem stets lockeren Rhythmus instrumentale Profilschärfe hinzufügt.

Unwiderstehlich offen, aufrichtig und liebenswürdig, sehr reif ist das, was Herman Dune hier auf hohem Niveau vollführen. Weitere Anspieltipps meinerseits sind das hymnisch leicht dahintrabende “When we were still friends”,der wunderschöne Chor-Bläser-Kreisel von “On a saturday”, die sensible Keine-Angst-Ich-bin-ja-bei-Dir-und-beschütze-Dich-Liebling-Ballade “My baby is afraid of sharks” und das behutsame, dichte “Someone knows better than me”.

Aber auch der gesamte hier namentlich nicht erwähnte Rest des Songreigens steht diesen ausgewählten Liedern kaum nach und führt zum durchgehend begeisternden Gesamteindruck eines Albums, das vor allem auch die seltene Qualität besitzt, dass man es immer wieder gerne hören wird. Nicht zuletzt, weil es ständig etwas Neues zu entdecken gibt.

Parallel zum grandiosen neuen Calexico Album “Carried to dust” beweist mit Herman Dune eine weitere weltoffene Band, dass das artistische Jonglieren mit unterschiedlichen Einflüssen zu eigenständiger Musik führt, die den gängigen Musikgeschmack um viele neue Hörerlebnisse bereichert. “Next year in Zion” ist auch so eine Entdeckungsreise, die viel Vergnügen und innige Momente bereitet.

Als weiteren Beleg für die gesunde Balance von ausufernder Lebensfreude und menschlicher Wärme hier der liebenswerte, künstlerisch wertvolle Clip zum Herman Dune Song “I wish that i could see soon” vom 2007er Album “Giant.”

 



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