Fun, TV - 06.09.08 -

Die lustigste Bar der Welt endlich in Deutsch auf DVD: Cheers

What a nice place to be, dachte ich vor ungefähr zehn Jahren als ich nächtens durchs TV-Programm zappte und in einer Bostoner Bar hängen blieb, in der ich mich auf Anhieb zuhause fühlte, die mir sofort aufs Zwerchfell und zu Herzen ging und binnen Minuten zu meiner Lieblingscomedy avancierte: Cheers! Ein Toast auf die Freude über diese Fernsehproduktion des US-Senders NBC, dem sich bis heute viele Fans angeschlossen haben und treu geblieben sind.

Mittlerweile ist die von Glen Charles, Les Charles und James Burrows konzipierte Serie Kult und nun endlich kommt eine der ersten, großartigsten und vielfach ausgezeichneten amerikanischen Sitcoms auch in der deutsch synchronisierten Fassung auf DVD heraus. Was in diesem Fall kein Nachteil ist, weil hier die Pointen auch in der Übersetzung fast genauso zünden wie im Original.

Die 22 Folgen der ersten Staffel machen den Anfang und die große Anzahl der Fans hofft bereits inständig darauf, dass alle 269!!! Folgen (mit Doppelfolgen und Specials 275) sukzessive in der Synchronisation veröffentlicht werden. Den fabelhaften Schlussakkord von 1993 inklusive, bei dem Tränenströme des Lachens und Weinens bei Darstellern wie Zuschauern gleichermaßen flossen.

Wer diese wundervollen, liebenswürdigen Charaktere bisher noch nicht kenne sollte, für den wird die Veröffentlichung der DVD sicher der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Denn ob der Barbesitzer, Ex-Baseballer und Frauenheld Sam Malone (Ted Danson), die Bedienung Diane Chambers (Rehauge Shelley Long), mit der er ständig im amourösen, spitzzüngig-pointierten Geschlechterkampf liegt, später durch die neue Geschäftsführerin des Cheers Rebecca Howe ersetzt (eine komödiantische Glanzrolle für die damals noch schlanke, sehr sexy und sehr komische Kirstie Alley).

Ob der schwergewichtige Barhocker-Potatoe-Bierphilosoph Norm (George Wendt) oder sein Briefträger-Freund, Klugscheisser-Cliff (John Ratzenberger), die höchst schlagfertige Kellnerin Carla (Comedy-Entdeckung Rhea Perlman), der zur Kultfigur gewordene Psychiater Dr. Frasier Crane (Kelsey Grammer als Karikatur der Extraklasse) und seine oberzickige Gattin Lilith (Bebe Neuwirth in divenhafter Bestform) oder ob schließlich die beiden herrlich treudoofen, herzensguten Barkeeper “Coach” Ernie (Nicholas Colasanto) und Woody (zum Niederknien gespielt vom jungen Woody Harrelson) – alle Figuren sind sehr liebevoll gezeichnet und derart sympathische Unikate von Typen, das man sie ausnahmslos schnell und für immer ins Herz schließt.

Von welchem Kaliber diese Serie ist, belegt wohl am Besten die lange Liste der Auszeichnungen, die “Cheers” im Zeitraum von 1982 bis 1993 eingeheimst hat. 27 Emmys bei 117 Nominierungen! und 1992 als “Outstanding Comedy Serie” prämiert, sechs Golden Globes bei 31 Nominierungen, unter anderem als Beste Comedy-Fernsehserie des Jahres 1991 ausgezeichnet. Insgesamt wurden 17 Darsteller aus “Cheers” für den Emmy nominiert, sechs Darsteller gewannen den Preis schließlich, davon allein Rhea Perlman insgesamt vier Mal.

Noch erfolgreicher wurde sogar die ab 1993 ebenfalls vom Sender NBC produzierte Ablegerserie “Frasier” (der Cheers-Charakter) mit dem wohl neurotischsten Psychiater-Brüderpaar der Fernsehgeschichte.  “Frasier” brachte es bis 2004 auf insgesamt 264 Folgen, wurde mit 37 Emmy-Awards, 3 Golden Globes und weiteren Preisen überhäuft und 2006 zur besten englischsprachigen Sitcom aller Zeiten gewählt.

Aber bei aller persönlichen Liebe auch zum ebenfalls grandiosen Dauerbrenner “Frasier”, der Vorläufer “Cheers” trifft einfach noch mehr ins Herz und wird die Messlatte des Genres in puncto Schlagfertigkeit, Menschlichkeit und exquisitem Witz bleiben. Jedenfalls ist diese kleine Bostoner Bar der wirtlichste, wärmste Ort, den man sich nur wünschen kann, wenn es jetzt früher dunkel und kälter wird und man die tristesse von Spätherbst und Winter weglachen will.

Ich verspreche und wünsche größtmögliches Vergnügen.

Zum Willkommen und Warmwerden in dieser geselligen, höchst amüsanten und zutiefst menschlichen Runde, in der Typen voller Schwächen starke Helden sind, die uns den Spiegel vorhalten, hier der Titelsong von Gary Portnoy “Where everybody knows your name”, der bereits etwas von der Nostalgie in sich trägt, die einen beim Wieder- und Wieder- und Wiedersehen beschleicht.