Liebevoller Soundtrack für “Robert Zimmermann”
“Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe”, der soeben in den Kinos gestartete neue Film von Leander Haußmann, weiß nicht nur durch sein ewig junges Thema, seine markanten Charaktere und die bisweilen bizarren Wege der Liebe zu überzeugen, sondern auch durch die Filmmusik, die sich auf gleichem Niveau wie die eigenwillig erzählte Story von einer amour fou und deren Begleiterscheinungen bewegt.
7 neue Kompositionen der deutschen Kultband Element of Crime, drei davon unverkennbar stiltreue Instrumentals, tragen nicht nur den Löwenanteil des gleichnamigen Soundtracks, sondern auch einige Schlüssel-Szenen des Films, für den Haussmann-Freund Sven Regener seine literarischen Qualitäten mal wieder auf Liedformat komprimiert hat. Übrigens: Im Eichborn Verlag ist gerade “Der kleine Bruder” erschienen, der Mittelteil von Regners Lehmann-Trilogie.
Der schnoddrige Charme seiner höchst originellen und originären lyrischen Tonalität und die musikalische Unverwechselbarkeit seiner Band hebt die Lieder “Robert Zimmermann”, “Ein Hotdog unten am Hafen” und “Über Dir der Mond” wie üblich weit über die Masse heraus.
Mit “Death kills” gibt es seit langem auch wieder mal einen englischsprachigen Track der kriminellen Elemente im Stile der drei Alben zu Beginn der Bandkarriere, von denen hier besonders das 1987 erschienene “Try to be Mensch” zu erwähnen ist, das seinerzeit als eine wirkliche Neu-Entdeckung der deutschen Musikszene galt.
Wie auch das nicht weniger fabelhafte “The ballad of Jimmy und Johnny” von 1989, das mit dem spannend intonierten “Mann vom Gericht” eine erste fabelhafte Kostprobe von neuer deutscher Liedtextkultur bot, die Element of Crime in der Folge konsequent auf ihren Alben beherzigten. Was 1993 im wunderschönen, musikalisch wie textlich sehr poetischen Meisterwerk “Weißes Papier” (hier eine Live-Version des Titelsongs) gipfelte, dem vielleicht anspruchsvollsten deutschen Rock-Album aller Zeiten.
All diese Qualitäten der großartigen Band gibt es auch in den Songs zum Haußmann-Film zu bewundern. Dazu eine Reihe von Liedern anderer Interpreten, die prächtig im Gesamtkontext harmonieren und auch die Fülle der Stimmungen des Films dokumentieren. Das von Ed Csupkay beigesteuerte “Habe Mut” ist ein schöner kleiner tröstlicher Song, der einen stimmlichen und wohl auch lyrischen Seelenverwandten von Sven Regener vorstellt.
Der instrumentale “Polizeiwachen Blues” von Roland Heinrich seufzt sich wehmütig durch Mundharmonika-Akkorde und ist somit sowohl nahe bei Bob Dylan als auch bei den EOC-typischen Songstrukturen. Und auch das Wiederhören mit der guten alten Songwriter-Ikone Donovan und seiner Huldigung für “Jennifer Juniper” macht ebenso großen Spaß wie die Entdeckung des “russischen Dylan” Vladimir Vissotzki.
Mag sich wohl auch manch anderer wie Robert Zimmermann über die Liebe wundern, der Soundtrack jedenfalls wird ihn mit Sicherheit beglücken.


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