Atem beraubende Amos: Die junge Tori live at Montreux
17 Jahre ist es schon wieder her, dass mich die Musik einer jungen Frau derart frontal erwischte, dass es mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken jagte. Tori Amos hieß die damals noch völlig Unbekannte und “Little earthquakes” ihr Debütalbum, das tatsächlich die Wirkung von kleinen Erdbeben hatte und die Seele in Erschütterung brachte.
Mit ihren intimen, intensiven, expressiven Songs eroberte Tori Amos das Popbusiness und mit ihrer höchst eigenwilligen Mischung aus sensiblem Songwriting, poetisch-versponnenen Lyrics und emphatischem Pianospiel die Herzen der Zuhörer. Vielen galt sie als die sehnlich erhoffte Fortsetzung der großartigen, aber leider sich rar machenden Kate Bush mit ähnlich elfenhaft verzaubernden Mitteln, aber doch mit einer ganz eigenen lyrischen Handschrift und musikalischen Stilistik.
Trotz ihrer Jugend wusste Amos durch Selbstbewusstsein, erstaunliche Reife in der Bildhaftigkeit sowie im individuellen Ausdruck eine magische Aura zu erzeugen, die sie insbesondere auch auf der Bühne zum ungeheuer faszinierenden Erlebnis zu gestalten verstand. Ich erinnere eines ihrer frühen Konzerte im Düsseldorfer Robert-Schumann-Saal, wo man zeitweise eine Stecknadel hätte fallen hören können, so sehr fesselte diese kleine, zarte Frau mit ihrer Ambivalenz aus leiser Poesie und explosiver Energie das Auditorium. Ein wahrhaft elektrisierendes Ereignis, das in seinen besten Momenten die beinahe religiöse Tiefe einer Andacht hatte.
Guest Act dieses Gigs war übrigens der damals ebenfalls noch unbekannte und gleichsam hoch talentierte und ambitionierte Neil Hannon mit seiner Divine Comedy, die heute ebenfalls eine feste Größe im Popzirkus und absolute Kritikerlieblinge sind.
Aus dieser Frühphase der Künstlerin werden im September zwei Konzerte auf CD und DVD veröffentlicht, die Tori Amos 1991 und 1992 in Montreux zelebriert hat. Neben den brillanten Songs ihres Debüts wie “Crucify”, “Silent All These Years”, “China” und “Winter”, die mittlerweile lämgst Klassiker ihres Repertoires sind, gelangen Amos bereits zum Start ihrer Karriere auch sehr originelle Coverversionen von berühmten Kollegen.
Auf dem Doppelalbum “Live in Montreux 1991/1992″ huldigt sie Led Zeppelin mit zwei inspirierten Adaptionen von “Whole Lotta Love” und “Thank You.” Und mit ihrer reduzierten, kongenialen Version von Nirvanas “Smells Like Teen Spirit” (hier ansehen) schafft sie im Voraus eine sehr berührende Hommage an die Sensibilität von Kurt Cobain, der sich zwei Jahre später das Leben nahm. Ein ebenso würdiges Andenken wie zuletzt die ebenfalls höchst gelungene Alternative-Country-Fassung des Nirvana-Smash-Hits durch die Rock-Ikone Patti Smith auf ihrem Cover-Album “Twelve.” (Hier das schöne Video zum Song)
Schon wegen dieser echten Raritäten der Weg weisenden Pop-Künstlerin Tori Amos lohnt sich der Kauf von CD oder DVD nicht nur für Fans.


Feines Folkalbum
Video des Tages
Neues Album der Punk-Pop-Pioniere
















