Musik - 08.08.08 -

Schlaflos in Seattle – Eine neue Liebe namens Fleet Foxes

Es gibt Alben, die zu besprechen eine große Freude ist, weil man damit ein wenig von dem zurückgeben kann, was einem an Freude geschenkt wird. Die Fleet Foxes und ihr gleichnamiges, am heutigen Tag von Cooperative Music (E-Card mit Bandinfos, Video und Hörproben auf der Label-Homepage) veröffentlichtes Debütalbum, derzeit einhellig in aller Fachmunde und durch solche zu Recht hoch gepriesen, sind ein solches kostbares Geschenk.

Aus dem Grunge-Zentrum Seattle würde man zunächst zwar lautere und aggressive Songgebilde erwarten als derart filigrane, fein gesponnene Liednetze, aber dann umhüllen einen gleich diese ruhigen, warmen Melodiebögen und ziehen einen an sich heran, decken einen zu mit Wohlgefühl. Und man hält Augen und Ohren offen, um vor sich hinzuträumen von der ewigen Liebe, von großen Plänen, hohen Zielen und man findet nicht in Schlaf vor Zuversicht und Sehnsucht, vor Glück.

Der sanfte, schwärmerische Indie-Rock der Fleet Foxes schöpft aus vielen harmonischen Quellen von Folk über Country bis hin zu Gospel-Anklängen und kann es sich leisten, viele Vergleichsgrößen der Pop-Vergangenheit zu zitieren ohne sich auch nur einen Moment des Fälschertums bezichtigen lassen zu müssen. Die Fleet Foxes sind bei aller Bezogenheit auf Vorbilder originär und erweitern so bekanntes Terrain um einige Parzellen Neuland.

Alles, was einem an Referenzen und Höhepunkten des mehrstimmigen Gesangs einfällt, viele Künstler von Rang und Namen und Einfluss lassen sich hier problemlos zitieren: The Beach Boys, Crosby, Stills, Nash & Young, Simon & Garfunkel, The Mamas & The Papas, The Walker Brothers, The Everly Brothers, The Hollies, Crowded House.

Und doch, selten zuvor kam einem etwas so Vertrautes so unerhört neu vor. Vielleicht liegt das an diesem Hauch Unwirklichkeit, der diesen Liedern anhaftet, fast etwas Elfenhaftes liegt hier in der Notenluft, das nächtliche Parks durchstreift wie Liebespaare den Sommernachtstraum.

Schon der Auftakt “Sun it rises” wirft einem ein fruchtbares Lächeln zu, das wie aus einer unberührten Landschaft auf einen zutritt und den Hut schwenkt. So geerdet und zugleich abgehoben vermittelt sich einem das gesamte Songmaterial, das wie ein musikalisches Erntedankfest daherkommt, das in höheren Sphären gefeiert wird.

Leicht verschrobene und damit vom gemeinen Mainstream deutlich verschobene Schönheiten finden sich auf dem Erstlingswerk zuhauf wie der zarte akustische Kreisel “Tiger Mountain Peasant Song”, das hymnisch dem Himmel zustrebende “He doesn´t know why”, oder das schon fast wie moderne Gregorianik anmutende “Heard them stirring.”

“Your protector” strahlt vor reiner Liebe und umarmt einen mit seinem aufrichtigen Versprechen von Treue und Schutz, ein wahrer Schutzengel von Song. Und in den “Blue ridge mountains” fühlt man sich gleich Zuhause und willkommen. Das klingt nach Familie, Freunden, Geborgenheit, Nähe, Vertrauen, nach einem Herdfeuer, auf dem ein Kessel köstlicher Eintopf steht, der alle erwärmen und satt machen wird.

Wie ergreifend doch Musik sein kann, wie Trost und Hoffnung spendend. Das singt tief durch die Poren der Haut, dringt hinein in den Blutkreislauf und öffnet die Schleusen der Herzkammern und Tränendrüsen. Das ist schöne heile Welt. Viel zu wahr, um kitschig zu sein.

Kurzum: Alles wird gut.



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