Voodoomeister Dr. Johns liebevolle Hommage an New Orleans
Mac Rebenack, besser bekannt als Dr. John, ist seit 40 Jahren eine feste Größe der Populärmusik. Eine von vielen anderen Musikern höchst geachtete und geschätzte Persönlichkeit, eine musikalische Instanz geradezu, denn nur wenigen Musikern ist es gelungen, über diesen langen Zeitraum immer wieder den Beweis der unverwechselbaren Einzigartigkeit anzutreten.
Und das nicht nur wegen der grell bunten, pfauenhaft phantasievollen Kostüme, in denen er zu Beginn seiner Karriere aufzutreten pflegte. Dr. John weiß vor allem seit 4 Dekaden durch seine vitale Intensität und enorme Kreativität zu begeistern, mit er vielfältige Einflüsse immer wieder zu faszinierenden Klangbildern zusammenmischt.
Anders gesagt: Dr. John ist und bleibt einer der besten Crossover-Musiker, ein lebendiger Schmelztiegel unterschiedlicher Musikstile und sein Hexenkessel von Sound ist ein Zaubergebräu aus Blues, Rhythm and Blues, Jazz, Swing, Soul, Funk, Rock and Roll und Psychedelic, angereichert um all die guten Zutaten aus dem Mississippi-Delta seines New Orleans.
Ein Gumbo-Gericht, das mit kreolisch scharfen Rhythmen gewürzt ist und abgeschmeckt mit einer kräftigen Prise Mardi Gras. In den Songs von Dr. John schwingt buchstäblich alles mit, was man unter Südstaaten-Flair versteht. Es klingt nach Bourbon mit Eis und tropischen Sümpfen, nach schweißtreibender Plantagenarbeit und der Wiege des Jazz um 1900, nach französischer Kolonie und indianischer Melancholie, nach Flussdampfern und Voodoo-Kult, nach Trauermärschen, die sich gleich nach Bestattungen unverhofft in befremdlich fröhliche Feste auflösen, nach all dem, was New Orleans als Melting Pot verschiedener Kulturen im heißen Süden der USA auszeichnet.
Schon zwei Mal hat Dr. John mit exzellenten Alben seine Herkunft und Heimat gewürdigt, jetzt verewigt er mit seinem neuen Album endgültig den Ort, der im August 2005 das tragische Opfer des Wirbelsturms Katrina wurde und der Stadt am Golf von Mexiko den fragwürdigen Spitznamen “The city that care forgot” eintrug, weil die Bush Adminstration einmal mehr versagt hatte als es darum ging, der überschwemmten Stadtlegende und seinen Bürgern schnelle Hilfe zukommen zu lassen.
“The city that care forgot” ist Dr. Johns Album konsequenterweise benannt, ein traurig-tragisch mahnender Titel, den der Alt-Meister aber dank der für New Orleans typischen unerschütterlichen Lebendigkeit und Fröhlichkeit mit Musik von ebensolchem Charakter konterkariert. Er setzt der sich langsam wieder im Aufbau zu alter Größe, Schönheit und Bedeutung aufschwingenden Stadt ein Denkmal aus vertrauten, dort beheimateten Klängen, die daran erinnern, dass in New Orleans an jeder Straßenecke bessere Musiker stehen als die Mehrzahl der in den Hitparaden-Himmel gepuschten Shooting-Star-Eintagsfliegen sich jemals wird erträumen dürfen.
Nach “Goin´back to New Orleans” und “N´Awlinz Dis Dat or D´Udda” schließt Dr. John mit Unterstützung von the Lower 911 (was für ein Katastrophen-Verweis!) mit “City that care forgot” eine imaginäre New Orleans Trilogie ab, die im Gedächtnis dieser Stadt und als Vermächtnis dieses originellen großartigen Künstlers auf ewig Bestand haben wird, da darf man sicher sein. Denn diese unglaublich groovende und lebendige und zugleich melancholische Voodoo-Musik hat ungeheuer viel Seele und Herzblut, wie man es nur verströmen kann, wenn man jemanden oder etwas sehr liebt. Dass Dr. John und New Orleans eine ganz große Liebe verbindet, lässt sich auf diesem neuen, in dieser Woche erscheinenden wie auch auf den beiden zuvor genannten, höchst inspirierten Alben nachhören.


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