Games - 05.06.08 -

Toms EMpathien: Die Stunde des Michael Ballack – Eine Prognose

Allen Unkenrufern zum Trotz, die nach dem Champions League Finale mal wieder das Unwort vom “ewigen Zweiten” für Michael Ballack verbreiteten, kommt hier der gedankliche Gegenentwurf und die gar nicht so kühne Prognose, dass wir es mit einem potenziellen Titelanwärter der nahen Zukunft zu tun haben.


Michael Ballack ist trotz oder gerade auch wegen all dieser zweiten Plätze schon längst der Erste unter unseren deutschen Lieblingsfußballern, weil er immer wieder aufgestanden ist nach diesen schweren Niederlagen und harten Niederschlägen, die er aber stets mit dem Herz eines Boxers gemeistert hat. Die ihn immer noch mehr angespornt haben, es wieder zu versuchen, bis das Glück endlich zu ihm, dem Tüchtigen findet, damit sein Talent endlich vollendet werden kann.

Dass Beharrlichkeit letzten Endes zum Ziel führt, das wird der beste deutsche Fußballer seit langem in den nächsten Wochen während der EM und erst Recht bei der nächsten WM zum definitiven Höhepunkt seiner Karriere beweisen. Denn das Zeug nicht nur zur Führungspersönlichkeit, sondern zur Leitfigur hat er sich seit über die Jahre beim FC Bayern München und noch mehr seit seinem Abschied von Deutschlands Top-Klub hart erarbeitet.

Michael Ballack hat gerade im vergangenen Jahr und mit seinem rechtzeitigen Comeback in diesem bisherigen 2008 eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein begnadeter Fußballer ist, sondern auch einer, der sich für das Kämpfen nie zu schade ist. So hat er sich beim FC Chelsea gegen alle Widerstände und Blessuren, gegen die Kritiker und Skeptiker durchgesetzt. Mit Selbstvertrauen, Willenskraft und Geduld hat er die Herausforderungen angenommen und ist an ihnen, mit ihnen gewachsen und gereift zu der Persönlichkeit, die sich bei genauem Hinsehen über die letzten Jahre kontinuierlich und konsequent entwickelt hat. Bezeichnenderweise hat er seinen Elfmeter gegen ManU sicher verwandelt.

Beim letzten Testspiel im Nationaltrikot vor der am Wochenende beginnenden EM gegen Serbien beeindruckte Ballack nicht nur durch seine herausragende Leistung, sondern vor allem durch seine vorbildliche Haltung als Kapitän, der die Reife eines Häuptlings besitzt, der sich als erster Indianer versteht. So geht man voran, so zeigt man Stärke nach innen und nach außen, so verdient man sich Vertrauen und Respekt.
Michael Ballacks Körpersprache ist jetzt die, die wir von einem Franz Beckenbauer 1972 als Europameister-Kapitän und 1974 als Weltmeister-Kapitän kennen, von einem Günter Netzer bei seiner Selbsteinwechslung im legendären Pokalfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln 1973, von Bernd Schuster beim EM-Sieg 1980, von Lothar Matthäus bei seiner überragenden WM-Leistung 1990.

Ballack ist jetzt einer, an dem jeder Teamgefährte sich ausrichten und aufrichten kann und bedingungslos folgen zum ganz großen Erfolg, der bisher nur auf diesen letzten Schliff Sportler- und Lebenserfahrung gewartet zu haben scheint. Es wird interessant sein zu sehen, wie Ballack noch mehr als vorher alles dafür in die Waagschale werfen wird, gemeinsam mit seinen Mannschaften – ob Verein oder Nationalmannschaft – alle anderen hinter sich zu lassen.


Er ist jetzt auf dem Weg, einer dieser seltenen großen Fußballer zu werden, die das Glück zwingen und alle anderen bezwingen können, weil sie in der Lage sind, mit ihrem Besten auch das Beste aus den Mitstreitern herauszuholen.

Doch selbst, wenn der “capitano” wider Erwarten erneut Zweiter wird, wird man sich die Diffamierung “nur” schenken müssen, weil jeder sehen und anerkennen wird, dass es dann an Ballack nicht gelegen haben kann, wenn es nicht zum Ersten reicht. Aber das wird dieser Weltklassefußballer zu verhindern wissen. Da bin ich mir sicher. Ich freue mich auf diesen Moment, wenn sein Siegerlächeln der letzte Beweis dafür ist, dass er es endgültig geschafft hat. Diese Genugtuung und Krönung gönne ich ihm wie niemandem sonst, weil er sie wie kein anderer Weltklassemann längst verdient.

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