Musik, Videos - 07.05.08 -

Sonne, Mond und Sternschnuppen – Sun Kill Moon

Mark Kozelek ist sicher allen Musikliebhabern ein Begriff, die ein Faible für Songwriting als Entdeckung der Langsamkeit haben. Mit seiner Band Red House Painters schuf Kozelek von den 90ern bis heute ein halbes Dutzend schmerzlich schöner Alben, die im schwermütigen Wohlklang die Zeit aufzuheben scheinen.

Fanvideo Sun Kill Moon – Moorestown

Die manisch monotone, dabei aber nie langweilige Melancholie der Band steht in direkter Seelenverwandtschaft zu Dakota Suite und ihrem Mastermind Chris Hooson, der ähnlich tiefgründige und berührende Liedlandschaften hinzutupfen versteht.

Beide Künstler verbindet übrigens auch der Sinn und das Feingefühl für die Magie fotografischer Sprache, die sich bei ihren Werken stets in wunderschöner Optik der Covergestaltung wiederfindet. Die ersten Alben der red House Painters und von Dakota Suite habe ich allein deswegen gekauft und bin dafür dann auch noch mit Liedgut von lyrischen Gnaden beschenkt worden. Kein Wunder also, dass Mark Kozelek unter dem Titel “Nights of passed over” auch bereits einen Gedichtband veröffentlicht hat.

Nun hat der umtriebige Kulturschaffende nach zwei höchst spannenden und verblüffenden Solo-Ausflügen mit eigenwilligen akustischen Interpretationen von AC/DC-Songs mit Sun Kill Moon einer weiteren Band Leben eingehaucht, deren Musik eine ähnliche Sogwirkung entfaltet wie die Red House Painters, Dakota Suite oder die ebenfalls in der Kunst der kultivierten Behäbigkeit bewanderten Spain um den gleichfalls charismatischen Songwriter Josh Haden, Sohn der Jazz-Bassisten-Ikone Charlie Haden (die Werke von Spain seien hier nachdrücklich allen empfohlen, die derartig schleichende, umarmende Songs mögen).




April“, das zweite Album von Sun Kill Moon nach “Ghosts of the great highway” ist ein verträumter Leisetreter von Album, der sich zwischendrin immer mal kurze melodische Stromgitarrenläufe im Stile eines Neil Young gönnt, um dann wieder konsequent die Kunst des Müßiggangs im Lo-Fi-Tempo zu pflegen. Ein paar zarte Gitarennakkorde hier, ein paar kleine Streichertupfer dort, ein kurz dahinspazierendes Banjo auf der Durchreise, Mark Kozelek gelingt es, sensibelste Soundschnecken ganze Konzerthäusern auf den Rücken zu schnallen und auf die Wanderschaft in unsere Herzen zu schicken und ganz ohne sentimentales Geschleime.

Die ruhig vor sich hin atmenden Epen eignen sich ideal für kleine Urlaube im Alltag, wenn man sich jetzt im Mai die Zeit nimmt, sich ins Gras zu legen und die wenigen Wattewolken ganz langsam am vom Sommer berauschten Blick vorbeiziehen zu lassen. Die Musik ist so groß und weit und zugleich schwer und leicht wie dieser endlose blaue Himmel, den das grandiose “Heron blue” förmlich zu beschwören scheint. Wer das hört, nimmt ein bittersüßes lazy feeling von easy living mit in warme Sommernächte, um die Sternschnuppen in der Nacht zu zählen und mit Wünschen zu versehen.

“April” ist Brechts Erinnerung an die Marie A. in Klang übersetzt, romantisch, wehmütig, versonnen, reif. Große Liedliteratur.

Wer tiefer eintauchen möchte in die faszinierende Welt des Mark Kozelek, findet reichlich Anregung unter

www.sunkillmoon.com
www.markkozelek.com

Zum Reinhören und Reinfühlen in “April” eignet sich außerdem

www.myspace.com/sunkilmoon

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