Musik, Videos - 26.04.08 -

The Notwist als ultimative Rockseelenfänger

Neon Golden“, das letzte Werk von The Notwist, war so glänzend und hell leuchtend wie der Albumtitel selbst und wie die zahlreichen Lobeshymnen, die barrenweise über diese meisterhafte Platte gestapelt wurden.

Video Where In This World von The Notwist

Nach so einer Großtat durfte man bei allem Vertrauen in die beste und erfolgreichste Indieband Deutschlands (mit dieser Einschränkung wird am Ende des Artikels endgültig und eindeutig Schluss gemacht) berechtigte Zweifel haben, ob die Weilheimer mit dem neuen Album über die selbst in Schwindel erregende Höhen gereckte Messlatte werden springen können.

Ja sie können und sie kommen nicht nur knapp drüber, sondern lassen eine neue Rekordhöhe auflegen und das lässt einen fast in Ehrfurcht erstarren. Meldet die Jungs zu alternativen olympischen Spielen in einem Land mit Achtung der Menschenrechte an und sie werden Euch jede Goldmedaille nach Hause bringen.

Offenbar ist auch hier wieder die Namensgebung des Albums eine Art Enigma, wie diese herausragende Leistung ohne illegale Dopingmittel gelingen konnte. Bei “The devil, you + me” müssen Notwist einen Pakt mit Mephisto eingegangen sein, denn bei so einem göttlich anmutenden Wurf kann nur er seine Finger im Spiel haben. Und zusammen mit you and me scheinen die mit Talent reichlich beschenkten Jungs eine neue Trinitätslehre der Rockmusik entwickelt zu haben.

Völlig unangestrengt und entspannt klingt das bei aller Finesse, von der es nur so wimmelt auf diesem neuerlichen opus magnum. Das ist so intelligent wie gefühlvoll, wie The Notwist ihre akustischen und elektronischen Fäden ineinander weben und von Anfang bis zum Ende zu einem nahtlosen Klang-Teppich verknüpfen. Und das ist alles aus edelster Wolle von freilaufenden Harmonieschafen aus dem Noten-Nirvana gesponnen.

Gleich mit “Good lies” verführen sie dich in und lassen dich nicht mehr aus ihren dämonischen Fängen. “Where in this world” ist eine gute Frage, denn schon beim zweiten Lied weißt du nicht mehr, wo du bist und schon gar nicht mehr wer. Angenehmste Gehirnwäsche, Unschuld und Harmlosigkeit vortäuschend und leise sich anschleichend, aber so giftig und mächtig, dass es sich gleich breit macht in dir. Die nächsten vier Stücke machen Dich völlig gefügig, dabei lernst du unter anderem dein neues Alphabet, das dir regelrecht in Herz und Hirn getaktet wird. Beim Titelstück bist du längst der ohnmächtige willenlose Faust, der den Vertrag mit The Notwist bereits ist, mit seinem Blut zu unterzeichen. “Sleep” raubt dir den gleichen und im nächsten Moment wirst du wissen warum.

Denn im Anschluss an dieses insomnisch vorbeihuschende schöne Nichts mit dem drohenden Grand Piano im Hintergrund und Schellen- und Glöckchenklang weit vorne tut sich in dieser heiligen Hölle von “The devil, You and me” der Himmel aller Musiktempel für dich auf: “On Planet off” ist
der melodiegeschredderte Wahnsinn.

Video Gone, Gone, Gone von The Notwist

Es klappert, rappelt, pumpt, flirrt, zirpt, zischt, quietscht und oszilliert auf eine Weise, da erblasst selbst der bisher unantastbare Thom Yorke vor Neid mit all seinen diabolischen Magierfähigkeiten. Das ist eine glühende Kohle von Song, in die ich gerne jedes Eisen halte, um mir das Zeichen von The Notwist auf die Haut zu brennen, bevor das knochentrockene “Boneless“, das erhabene “Hands on us” und zuletzt das doch endlich sehr erdverbundene “Gone Gone Gone” mir klar machen, dass ich das alles wohl nur geträumt haben muss.


Und mit dem Stichwort Thom Yorke sind wir schon bei der Vorrede langer Sinn. The Notwist spielen längst nicht mehr in der mittelmäßigen ersten Deutschen Liga, sondern in der Endrunde der Champions League. Und da gibt es im Finale nur noch einen Konkurrenten für Sie: Radiohead.

Mehr Input für die eigene Begeisterung:

www.notwist.com
www.cityslang.com



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