Musik - 22.04.08 -

Das Evangelium nach Grant – Robert Forsters Trauerarbeit

Grant McLennan war der Freund. Grant McLennan war der kongeniale musikalische Partner. Grant McLennan war 48 als er am 6.Mai 2006 überraschend starb.

Robert Forster, der andere Part von The Go-Betweens, hat nach dem Tod von Grant zuerst die Band aufgelöst und dann den lyrischen Nachlass des Freundes gesichtet und ein Soloalbum begonnen, das keines ist, weil der Geist von Grant noch allgegenwärtig ist und strahlendes Licht über den eigenen Todes-Schatten wirft auf diesem Werk, das tatsächlich ein Evangelium ist, wie der Titel verheißt.

Gleich der Einstieg “If it rains” klingt wie ein Grant-Gruß von seiner fernen Wolke, die Tränen abregnet über den Freund, der das Verlassensein beklagt. Ein Regenschauer, der einem auch einen sanften Trauerschauer über den Rücken jagt. Und in diesem Akustikgitarregefühl geht es gleich weiter in einen der schönsten Go-Betweens-Songs, der nicht dieses Etikett trägt: “Demon days.” Streicher, Bläser und Chor tragen hier das Gedenken an den schmerzlich Vermissten über einen friedlichen Hof von Melancholie.

Aber in all dem Schluchzen wird auch an die konzentrierte Energie erinnert, die in der gemeinsamen Band stets das Balance-Pendel war, um das emotionale Gleichgewicht aus Fröhlichkeit und Traurigkeit herzustellen. “Pandanus” geht diesen flotteren Kreuzweg und “Did she overtake you” kommt fast aufmunternd daher. Wieder so ein Go-Betweens-Zitat, das auf Anhieb den Verlust spüren lässt und die Dankbarkeit, dass es diese Band überhaupt gab.


In “The evangelist” liest Forster eine unpathetische Messe, in der die Kraft der Liebe beschworen wird. Was sonst könnte trösten? Und dann erfüllt Forster offensichtlich den letzten unausgesprochen Wunsch des Freundes “Tanzt auf meinem Grab und schaut ins Licht.” Genau das macht diese schlichte positive Melodie von “Let your light in, Babe“, die sofort in Herz und Seele kreiselt mit Uh-Uh-Uh-Chorus und Bouzouki-Klängen. Wundervoller Optimismus. Glaubensstärke. Halt.

A place to hide away” sinniert Forster über der akustischen über Möglichkeiten, allem zu entfliehen, was bedrängt. Nach dem beinahe fröhlich-ausgelassenen Vorgängersong drückt einem die einsetzende Kirchenorgel wieder Tränenbäche aus den Augen. Schmerzlich bleibt auch der Nachhall von “Don´t touch anything,” das mit dichtem Klang wuchert, aus dem eine schwere Orgel und Synthie-Bläser die straffe Gitarre und das aufrechte Boogie-Piano aus der Kirche eskortieren.

In “It ain´t easy” weht noch einmal kurz ein Hoffnungsschimmer mit Folk-Fiddle durch die Luft, der mit einem Hauch von Lässigkeit Leichtigkeit vorgaukelt und doch nur die unerträgliche Schwere des Hinterlassenseins und des Bewusstseins darüber ankündigt.

Und dann ist der letzte Moment gekommen, in dem man zitternd eine Schaufel Erde in der Hand hält, eine Rose wirft, die im Fallen bereits welkt. “From Ghost town” ist das Innehalten, Schlucken, sich bestürzt Abwenden, das stille innige Gebet zum Schluss, das mit wehmütiger Harmonika am Ende bereits den Klang des Jenseits in sich birgt. Ein ganz großer Song, der nur in Rosanne Cash´s unerreichter Reminiszenz an ihren Vater Johnny “The world unseen” ein gleichwertiges Pendant kennt.

So nimmt man Abschied von einem Freund. So trauert man um ihn.

Der Rest ist langes, betroffenes Schweigen.

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