Musik - 01.04.08 -

Verbeugung vor Nina Simone – Edle Hommage von Lyambiko

Die Sängerin Lyambiko und die gleichnamige Jazzband haben bereits mit ihren ersten Alben in Jazzkreisen zahlreiche Bewunderer gefunden. Die Zahl derer, die der ausdrucksstarken Sängerin aus Thüringen mit Wurzeln in Tansania einen Platz in der Liste ihrer Gesangslieblinge einräumen, dürfte mit der aktuellen CD “Saffronia” erheblich steigen.

Denn Lyambiko hat sich der verdienstvollen Aufgabe gewidmet, ein ganzes Album mit Songs zu veröffentlichen, die ihr Vorbild Nina Simone einst interpretiert hat. Und Lyambiko hat alles richtig gemacht. Sie macht erst gar nicht den Versuch, sich mit dem Genius von Nina Simone zu vergleichen und, sondern huldigt ihr würdig mit ganz eigenständigen, sehr feinen Arrangements, die sich ins Ohr schmeicheln und mehrheitlich mehr als nur gelungene Zitate sind. Das ist im Bereich Rock/Pop übrigens auch schon den Walkabouts mit ihrem Fünf-Song-Werk “Slow days with Nina”gelungen.

Im Zentrum von “Saffronia” steht die geschmeidige schöne Stimme von Lyambiko, die voller Abendrotwärme ist, die sich hier aber auch zum ersten Mal traut, die eigene Oberflächen-Glätte anzukratzen, aufzurauhen und damit ein Mehr an Farbe und Charakter zu verleihen, was dieses Album zu einem besonderen, nachklingenden Hörgenuss macht.

Die bisher vollzogene disziplinierte Distanziertheit einer ehrenvollen, aber sehr coolen Lady gibt Lymbiko hier auf und sie gibt sich ansatzweise hin an die sinnliche Leidenschaft einer femme fatale, die der individuellen Simone-Auswahl äußerst gerecht wird. Denn was und wie Simone sang, das war pure Inbrunst, erotisches Flirren.

Herausragend die intime Version Lyambikos von “Don´t smoke in bed” und gleich darauf folgend die schwebende Interpretation des Beatles-Klassikers “Here comes the sun“, auf der sie die Möglichkeiten ihrer Stimme ebenso eindrucks- wie ausdrucksvoll zur Geltung bringt. Da wird George Harrison sich auf Cloud Nine mächtig freuen.

My baby just cares for me” schleicht auf leisen Pfoten ins Gehör, bevor es sich als großer Hit der Simone zu erkennen gibt, allerdings slow and low as can be. Clever! “Four women” klingt sehr authentisch und verwurzelt. Besser kann ein Kompliment für diesen großen Song nicht ausfallen.

Bei “Ne me quitte pas” hat Lyambiko französische Dramatik drauf, die der Weinerlichkeit entgeht. Nach Nina Simone und Juliette Greco krallt sie sich hier ganz sicher Platz 3 der weiblichen Brel-Bestenliste (bei den Herren der Schöpfung liegen Klaus Hoffman und Herman van Veen klar vorn).

Der höchst afrikanische Ausstieg aus dem Album mit “Mawe Mawe/I sing just to know I´m alive” ist überraschend und sehr passend als finale Hommage.

Nicht vergessen werden sollte, ausdrücklich die exzellent agierende und harmonierende Band in klassischer Jazz-Besetzung zu loben, die ihrer Frontfrau nicht nur einen roten Klangteppich unter die Füße legen, sondern wirklich unaufdringliche Jazz-Glanzlichter auf ihren Catwalk legen.

Diese musikalisch-menschliche Widmung beweist, dass es weder Schande noch Anzeichen von Überheblichkeit oder Größenwahn sein muss, unerreichbaren und unantastbaren Vorbildern die Ehre zu erweisen, wenn man darum weiß und respektiert, dass sie eine Sonderstellung einnehmen.

Lyambiko tut das auf vorbildliche Weise und darum würde ich diesem Kollektiv sogar zutrauen, eine kongeniale Interpretation von “Sinnerman” aus den Stimmbändern und den Instrumenten zu zaubern. Wie wäre es also mit einer Hommage, Teil zwei? Großartiges Material zur Bearbeitung gäbe es ja genug.

Saffronia” hat auf jeden Fall alles, was man Klassikern in der Regel zuschreibt.



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