Frisches Blut, fröhlicher Biss: Vampire Weekend
Keine Sorge, für Vampire Weekend aus New York braucht man weder Knoblauchketten, weihgewässerte Kreuze noch angespitzte Holzpflöcke und die Jungs der Newcomer-Band sind auch wesentlich tageslichttauglicher als olle Halsknutscher Dracula.
Das einzige, was sie mit dem legendären Zahnmonster gemein haben, ist der Biss, mit dem sie ihr Werk verrichten und das ist in diesem Falle ihr Plattenerstling, der auf Anhieb große Aufmerksamkeit und Resonanz findet.
Kein Wunder, denn das Debüt scheint geradezu aus einem musikalischen Voodoo-Kessel zu stammen. Ein wahres Hexengemisch aus Polyrhythmik, Indieromantik und Wave-Stilistik, das die Vampire da zusammen gebraut haben. Mit ungeheurer Leichtigkeit verbinden sie eingängige Melodien, schlichte, aber wirkungsvolle Grooves mit vertrackten Afrobeats und spinnen daraus ein engmaschiges akustisches Netz, das einen gleich einfängt und fesselt. Vor allem mit der guten Laune, die diese Styles, Vibes und Tribes verbreiten und auslösen.
Vampire Weekend gelingt das Kunststück, als höchst glaubwürdige weiße Schwarze eine vor freudigem Rhythmus schwankende, schwingende, aber höchst sichere Brücke zwischen dem europäischen und afrikanischen Kontinent zu schlagen. Sie schaffen dabei eine ganz eigene Interpretation und Integration von Afrosounds in ihre musikalische Herkunft, die unzweifelhaft große Zukunft haben dürfte, wenn sie den sehr lebendigen, leichtfüßigen, sympathischen Stil weiter pflegen.
Ganz nebenbei erweisen die New Yorker mit ihrem Debüt auch anderen, mittlerweile in Würde gealterten angelsächsischen Protagonisten dieser Musikverschmelzung wie Paul Simon, David Byrne, dem Weltmusiker Peter Gabriel und dessen jahrzehntelangen engagierten Realworld-Wirken die Ehre und werten deren Wirken in der Kulturen übergreifenden und miteinander verbindenden Musikwelt auf. Peter Gabriel erweist die Band sogar expressis verbis ihre Referenz im Song “Cape Cod Kwassa Kwassa” mit einer eigens an ihn gerichteten Songzeile.
Vampire Weekend sind mit Sicherheit willkommene Gäste an jedem Wochenende, an dem man die Tanzbeine ausschütteln will. Sie bereichern eine junge Generation erfrischend weltoffener Musiker, die ohne Kalkül ganz selbstverständlich ein neues Verständnis von Crossover haben, dass höchst spannende Soundscapes entwirft. An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die ebenfalls aus New York stammende Band Yeasayer vewiesen, die ähnlich überraschend und überzeugend mit unterschiedlichen musikalischen Welten jongliert und einen gleichfalls beeindruckenden, bisher leider vergleichsweise weniger beachteten Erstling vorlegte.
Man höre und sehe sich mal das Video zu “2080″ an und erfreue sich an einer Wiedergeburt der Talking Heads. Und dann gleich “Mansard roof” von Vampire Weekend, dem unterhaltsamsten Fledermaus-Tanz seit Roman Polanski. In diesem Sinne schönes Restwochenende.


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