Kult - 05.03.08 -

Schöner Titel, schöne Ausstellung: Blattgold in Leverkusen

Schöner Ausflug übrigens auch für alle Kunstliebhaber, die sich artistische Vielfalt gerne in stilvollem Ambiente zu Gemüte führen und einem kleinen Lustwandel jenseits von Terminstress nicht abgeneigt sind. Denn erstens ist das Museum in einem hübschen, Schloss nebst kleinem Park in Leverkusen beheimatet.

Und zweitens bieten die Nebengebäude sowohl einen charmanten Museumsshop als auch ein stilvolles Cafe/Restaurant mit gehobener Gastronomie, in dem zu sitzen, zu schauen, zu reden, zu genießen eine willkommene Freude fernab der alltäglichen Banalitäten ist.

Für den Besuch der feinen Blattgold-Ausstellung, die bis zum 30. März 2008 läuft, ist der Dienstag sehr zu empfehlen, weil das Museum Morsbroich an diesem Tag bis 21 Uhr geöffnet hat. Da kann man sich eine schöne kombinierte Feierabend-Entspannung gönnen mit den Kunst-Kostbarkeiten, für die man 1,5 bis 2 Stunden einplanen sollte, und der Koch-Kunst in besagtem Restaurant.

Nun aber endlich zur dort präsentierten Kunst selbst. Auf drei Etagen öffnet die Grafische Sammlung des Museum Morsboich ihre fast zehn Jahre lang geschlossene Schatzkammer und bietet eine hochwertige und namhafte Auswahl ihrer rund 4.000 Blätter, die seit 1951 kontinuierlich den Weg in dieses Haus gefunden haben. Blattgold versammelt Internationale Klasse und zeigt, das druckgrafisches Repertoire nicht nur zum Handwerkszeug großer Künstler gehört, sondern auch schlicht sehr beeindruckende eigenständige Werke zutage fördert.

Um dem geneigten Kunstfreund einfach per Namedropping den Besuch unverzichtbar zu machen, hier eine unvollständige Liste von Namen mit Rang: Matisse, Chagall, Picasso, Kandinsky, Richter, Beuys, Warhol, Rainer, Polke, Penck, Immendorff, Baselitz, Uecker, Kirkeby, Francis, Twombly, Lindner, HA Schult bis zu Blinky Palermo, dessen Werk erst kürzlich in Düsseldorf gewürdigt wurde.

Besonders bemerkenswert sind die geschichtlich-politisch geprägten Werke. Die bedrohlich-kritischen Arbeiten von Alfred Hrdlicka, der zur Zeit auch im Düsseldorfer Heinrich-Heine-Institut ausgestellt wird, korrespondieren hervorragend mit Linolschnitten von Johannes Grützke, dessen “Volksvertreter” famose gesellschaftskritische Studien sind. Ein Farblinolschnitt von Immendorff aus seiner”Cafe Deutschland” Serie führt direkt zu den ebenfalls faszinierenden großformatigen Linolschnitten von Wolfgang Mattheuer´s “Suite 89″, die wiederum diesen politischen Kreis schließen mit “Zeitgenossen” des Kölners Franz M. Jansen, dessen Kaltnadelradierungen seiner Milieustudien seelenverwandt sind mit den Arbeiten des Berliner Karikaturkünstlers George Grosz.
Dazwischen allerlei Kleinode, die einen genauer hinschauen lassen, wie große Meister diffizile Techniken von Linol- und Holzschnitt bis zu verschiedenen Radierungstechniken beherrschen und als im Wortsinne hervorstechende Ausdrucksweisen beleben.

Ein fabelhafter, kurzweiliger und abwechslungsreicher Rundgang, in dem sich auch namentlich weniger bekannte Künstler höchst niveauvoll integrieren und zu überraschen wissen wie etwa Markus Oehlen mit seinen poetisch-verspielten, dabei doch grafisch so geradlinigen Linolschnitten.

Und das sanierte Dachgeschoss des Museums hält schließlich auf 240 qm eine höchst sehenswerte Sonderschau mit 80 Druckgrafiken aus dem weltweit einmaligen, 354 Werke umfassenden Bestand an druckgrafischen Blättern von Georg Baselitz, bereit, der am 23. Januar 20088 sein 70. Lebensjahr feierte. Ein eindrucksvoller Nachweis seiner Kreativität, Produktivität und Vielseitigkeit.

Lobenswert erwähnt werden sollte noch, dass 5,00 Euro Eintritt für eine Sammlung solcher Klasse wahrlich ein Klacks sind und dass der Blattgold-Ausstellungskatalog mit 28,00 Euro ebenfalls erschwinglich ist.

Weitere Infos unter www.museum-morsbroich.de



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